Die „Korrektur der globalen Ungleichgewichte“.

Bremen im April 2007Die „alte“ Neuausrichtung Chinas dient auch der „Korrektur der globalen Ungleichgewichte.“

Bremen im April 2007

Seite  11 – Globalisierung zähmen

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 Vor über 30 Jahren war das bis dahin stabile Weltfinanzsystem aus den Fugen geraten, nachdem US-Präsident Richard Nixon Anfang der 70er Jahre das

  • Bretton-Woods-System“ von 1945 aufgekündigt hatte.  Die Währungen begannen zu „floaten“, wurden den freien Marktkräften ausgeliefert und zum Spielball von Währungsspekulanten gemacht, wie zuletzt während der Asienkrise 1997. Seitdem hat sich das System wieder stabilisiert, allerdings um den Preis von wirtschaftlichen Ungleichgewichten, die weltweit vor allem zwischen den USA und den Schwellenländern, aber auch in den Ländern selbst entstanden sind.  Dass es irgendwann zu einer
  • Korrektur der globalen Ungleichgewichte kommen muss, darüber sind sich heute alle Ökonomen vom IWF über die Weltbank bis zu den Europäern in der OECD einig. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird die
  • Binnennachfrage und der Konsum in den USA gedämpft, die Zinsen- und die Sparquote erhöht, die Liquidität vermindert und die US-Staats-ausgaben im sozialen und auch im militärischen Bereich gesenkt werdenmüssen.

 Globalisierung zaehmen Seite 170  

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 China verdankt sein Wirtschaftswachstum zum großen Teil seiner exportorientierten Warenproduktion in die offenen Märkte der Welt, der USA und anderer Industriestaaten. 

Die Öffnung des Landes im Zuge der Globalisierung für ausländische Direktinvestitionen und der Technologie- und Kapitaltransfer global operierender Unternehmen aus den Industrieländern nach China bildeten anfangs die entscheidende Grundlage für die Dynamik des Wachstums.

Die ausländischen Unternehmen ließen in China großenteils für den Export produzieren. Sie schöpften bei niedrigen Löhnen und Kosten enorme Gewinne ab, die sie zum Teil nicht in den Ausbau der Produktionskapazität investierten, sondern zurück ins Ausland brachten.

Die ausländischen Unternehmen profitieren seit Jahren von dem Niedriglohnland China und jetzt zunehmend auch von dem großen chinesischen Binnenmarkt. 

Die Kaufkraft hat vor allem in der chinesischen Mittelklasse mit über 250 Millionen Verbrauchern zugenommen.

Nachdem im ganzen Lande der allgemeine Lebensstandard gestiegen ist, bietet

  • ein riesiger Binnenmarkt große Wachstumschancen für die Unternehmen. Der Trend der globalen Unternehmen geht
  • jetzt immer mehr zum Kunden und die
  • Konzerne investieren zunehmend ihre Gewinne da,
  • wo die Verbraucher leben, während gleichzeitig die Chinesen versuchen, immer mehr aus eigener Kraft zu produzieren und zu wachsen. Sie versuchen,
  • Kapital und Know-how ins Land zu holen und im Lande zu halten, indem sie eine enge Zusammenarbeit mit den ausländischen Unternehmen in Joint Ventures einschließlich Forschung und Entwicklung anbieten. Oft gelingt es ihnen heute, die Kontrolle über die Unternehmen mittels Mehrheitsbeteiligungen durchzusetzen. Kapitalflucht, wie in der Asienkrise 1997, kann so verhindert werden. 

Trotz dieser Beschränkungen können die weltweit aufgestellten Konzerne den Verlockungen des chinesischen Marktes unter dem Druck des globalen Wettbewerbs nicht widerstehen.

Seite 50 – Globalisierung zähmen

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In einer durch Datenautobahnen, Internet und Telekommunikation, Schifffahrtswege und Flugrouten globalisierten Welt sind die Konzerne heute technisch in der Lage und deshalb gezwungen, weltweit auf

  • die Jagd nach Extraprofiten zu gehen, bevor ihnen die Konkurrenz die Filetstücke wegschnappt. Dabeioperieren sie zielstrebig, aber gnaden- und zügellos, wenn sie
  • nicht durch verbindliche Regeln und Normen „gezähmt“ werden. 

Im vorherrschenden, angloamerikanischen Umfeld des Neoliberalismus ist es heute das erklärte und einzige Ziel des Managements aller großen Konzerns,

  • zuallererst den Anteilseignern und Aktionären zu Diensten zu sein. Das wird erreicht durch die Steigerung der Aktienkurse, der Dividendenausschüttungen oder auch der Rendite. Andernfalls droht die Gefahr, dass sich die Kapitaleigner nach einem anderen Management umsehen… Für Aktionäre und Anteilseigner zählt nur der höhere Preis, der geboten wird und schon droht die Gefahr, dass sie ihre Anteile an den meistbietenden Interessenten verkaufen. Es zählt nur der Gewinn. Das Unternehmen als solches interessiert nicht so sehr. Es ist
  • wie die Milchkuh, die nur existiert, um gemolken zu werden. Der Wert eines Unternehmens spiegelt sich allein in den Gewinnaussichten für die Aktionäre wider. 

Für die Menschen aber sind Unternehmen sehr nützliche, wachsende, lebendige Organismen, in denen sie zusammenarbeiten, um im Rahmen gemeinsamer Arbeitsteilung nützliche Güter für den Warenaustausch zu produzieren. Eigentlich entsteht Wertschöpfung und Wertsteigerung durch organisches Wachstum.

Seite 189 – Globalisierung zähmen

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Das erklärte Ziel des neuen Fünf-Jahresplans von 2006 ist es, ein harmonisches undnachhaltiges Wachstum mit höheren Einkommen und moderatem Wohlstand im ganzen Land zu erreichen, wo eine vor allem bäuerliche Bevölkerung von mehr als 500 Millionen Menschen darauf wartet, am wirtschaftlichen Wachstum und gesellschaftlichen Fortschritt teilzuhaben. Die

  • Steigerung und Bedienung der chinesischen Binnennachfrage sowie die
  • Reduzierung des zu hohen Exportanteils an der chinesischen Wirtschaft sind zentrale Forderungen an die Regierung, die vom chinesischen Volkskongress, aber auch vom amerikanischen Zentralbankvorsitzenden B. Bernanke, von den Wirtschaftsfachleuten des IWF und der Weltbank und auch von wichtigen europäischen Staaten erhoben werden.  Diese neue Ausrichtung der chinesischen Volkswirtschaft soll nicht nur
  • die „globalen Ungleichgewichte“ abbauen helfen. Sie kann für Hunderte von Millionen Menschen
  • der Weg aus der Armut sein. Die treibende Kraft dabei sind nicht so sehr der gute Wille von Politikern, sondern
  • die objektiven, ökonomischen Zwänge einer Globalisierung, die auf dem heutigen Stand der Entwicklung der Produktivkräfte die marktwirtschaftlichen Gesetze von Angebot und Nachfrage bis in die hintersten Winkel der Erde treibt. 

Seite  128 – Globalisierung zähmen

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Gerade mit Blick auf den Fünf-Jahres-Plan, der im März 2006 verabschiedet wurde, benötigte die Regierung in Peking eine verlässliche Statistik und eine gute Datengrundlage für die neue Politik. Die vorliegenden ökonomischen Daten stützen die politische Neuausrichtung und das Vertrauen der Politiker, wenn sie

  • eine verbraucherfreundliche Politik im eigenen Lande gestalten und
  • den Service-und Dienstleistungssektor weiter stimulieren. Die Stimulierung der Binnennachfrage und damit
  • die Bekämpfung der Armut einer Hunderte von Millionen zählenden Bevölkerung ist heute in China der Weg, um
  • aus der Exportlastigkeit des wirtschaftlichen Wachstums und um
  • aus der Abhängigkeit der chinesischen Industrie von dem amerikanischen Markt herauszukommen.

Das scheint der einzig gangbare chinesische Beitrag zum Abbau der globalen Ungleichgewichte zu sein. 

Vorraussetzung dafür wiederum ist

  • die Hebung der Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten. Eine angemessene
  • Anhebung der Löhne, die die steigende Produktivität berücksichtigt, und
  • die Gestaltung eines gerechten Steuerwesens, das die Reichen nicht von den Abgaben befreit und aus der Verantwortung für das Gemeinwohl entlässt, sind große Aufgaben, die in China jetzt in Angriff genommen werden. Wenn das soziale Netz, das Gesundheitswesen und die Altersvorsorge ausgebaut und zum großen Teil auch über Staatsausgaben finanziert werden, kann
  • eine Absenkung der hohen Sparquote in China von derzeit 45% erreicht werden. Die Menschen müssen dann nicht mehr so große Angst vor einer ungewissen Zukunft haben und sind nicht mehr gezwungen, so viel zu sparen, weil sie dann mehr soziale Sicherheit haben.

Seite 72 – Globalisierung zähmen  

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Die Vorstellungen des Vorsitzenden der privaten amerikanischen Zentral- und Notenbank kommen den Zielen, die China mit dem neuen „Fünfjahresplan“ im März diesen Jahres in Angriff genommen hat, sehr nahe. Auch die chinesische Regierung und der Volkskongress sehen keinen anderen Weg als

  • die Stärkung der Binnennachfrage,
  • die Förderung der Verbrauchernachfrage und
  • die Hebung der Kaufkraft in China,
  • um den Export chinesischer Waren nach Amerika und so
  • das Handels- und Leistungsbilanzdefizit der USA zu reduzieren. 

Wenn die amerikanische Regierung China genügend Zeit lässt, um diesen Weg zu gehen, dann würde das für eine friedliche Entwicklung in der Welt sehr förderlich sein und Handelskriegen und Protektionismus vorbeugen.

Besonders China hat großes Interesse an einer weiteren friedlichen Entwicklung mit wirtschaftlichem Wachstum und Mehrung des Wohlstands der Menschen, denn in China warten Hunderte Millionen von Menschen darauf, dass sie

  • ausreichend und sichere Arbeitsplätze bekommen, dass ihre
  • Kaufkraft gehoben wird und sie in Zukunft verstärkt
  • als Verbraucher auftreten können
  • auf einem Binnenmarkt, der ihnen all das bietet, was sich eine moderne Mittelstandsgesellschaft zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse wünscht. 

Seite 200 – Globalisierung zähmen

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Wenn die

  • Sicherheit am Arbeitsplatz, die Verhinderung industrieller Unfälle,
  • der Schutz der Umwelt,
  • die Einsparung von Energie und
  • der Aufbau eines Systems der sozialen Sicherung im Gesundheitswesen und bei der Altersrente größeres Gewicht erhalten, wird das vermutlich
  • auf Kosten des Wachstums gehen. Das ist so politisch gewollt, denn die Drossellung des jahrzehntelangen rasanten Wachstums der chinesischen „Wachstumslokomotive“ ist ein vorrangiges Ziel jüngerer chinesischer Wirtschafts- und Finanzpolitik. Mit finanzpolitischen Instrumenten wie Zinsanhebung für Unternehmenskredite und mit gesetzgeberischen Eingriffen in das Wirtschaftsgeschehen versuchen die chinesische Regierung und die Zentralbank ein zu dynamisches, zügelloses Wachstum zu bremsen und die Wirtschaft vor Überhitzung zu schützen. Eine Politik, die
  • den Dienstleistungs- und Konsumbereich breit fördert,
  • die verstärkt in das Bildungs- und Gesundheitswesen investiert,
  • die Gelder für den Aufbau eines sozialen Netzes bereitstellt, kann dazu führen, dass ungebremstes Wachstum in einer Art verzögert wird, die großen Teilen der Bevölkerung zu Gute kommt…

Der neue Fünfjahresplan entwirft auch einen finanzpolitischen Rahmen für die

  • Reduzierung der übergroßen Guthabenreserven der chinesischen Gesellschaft., die Teil des Problems der globalen Ungleichgewichte sind. Erklärtes Ziel ist es, die Einlagen der chinesischen Banken von derzeit 32 Billionen Yuan, bzw.
  • Sparguthaben von umgerechnete 4 Billionen Dollar, von denen die Hälfte auf den Privatkonten der chinesischen Bevölkerung lagert, zu reduzieren und nutzbringend einzusetzen.   
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