Eine Allianz zwischen Russland und Deutschland muss verhindert werden

Oliver Janich

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Müssen die Geschichtsbücher neu geschrieben werden? Der Chef des US-Think-Tanks Stratfor bekennt offen, dass es den USA seit 100 Jahren darum geht, dass Russland und Deutschland ihre Kräfte nicht vereinen.

Im ersten Teil haben wir gelernt, dass die USA ihren Status als Hegemonialmacht dadurch aufrechterhalten und ausbauen, dass sie verfeindete Staaten oder Bevölkerungsgruppen finanzieren und in Konflikte treiben. Das soll diese davon abhalten, sich gegen die USA zu wenden. Was diese Strategie speziell für Russland und Deutschland bedeutet, beschreibt George Friedman, der Chef der »Schatten-CIA« (Zitat Barrons) in seinem Vortrag (eine Version mit nicht ganz akkuraten, vom Grundsatz her aber richtigen deutschen Untertiteln hier) so:

 

Die Beziehung zwischen Deutschland und Russland im Fokus

 

»Das primäre Interesse der USA gilt seit einem Jahrhundert – wir kämpften Kriege, den Ersten, Zweiten (Weltkrieg) und den Kalten Krieg – den Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Denn vereint sind sie die einzige Macht, die uns bedrohen kann. Und (das Hauptinteresse besteht darin), sicherzustellen, dass das nicht passiert.«

Friedman spricht hier frei, daher handelt es sich um keine grammatikalisch korrekte Formulierung. Gemeint ist also, dass es den USA hauptsächlich darum ging, eine Allianz zwischen Russland und Deutschland zu verhindern. Später geht er in Bezug auf die Ukraine-Krise noch einmal auf Deutschland ein:

»Das Thema, auf das wir keine Antworten haben, ist: Was wird Deutschland tun? … Die Deutschen sind in einer sehr merkwürdigen Position. Der frühere Kanzler Gerhard Schröder ist im Aufsichtsrat von Gazprom. Sie haben eine sehr komplexe Beziehung zu den Russen. Die Deutschen wissen selber nicht, was sie tun sollen. Sie müssen exportieren, die Russen können ihnen die Waren nicht abnehmen. Auf der anderen Seite, wenn sie die Freihandelszone verlieren, müssen sie etwas anderes aufbauen.«

Für die Vereinigten Staaten sei die Urangst (»primal fear«), dass sich deutsches Kapital und deutsche Technologien mit den russischen Ressourcen und der russischen Arbeitskraft verbinden könnten. Dies sei die einzige Kombination, die die USA seit einem Jahrhundert zu verhindern versuchten.

 

Fakten, die uns verschwiegen werden

 

Das sind sensationelle Aussagen. Wird uns doch im staatlichen Geschichtsunterricht und jedem Massenmedium erzählt, die USA wären zweimal als weißer Ritter eingesprungen, um den Rest Europas vor Deutschland zu schützen. In Bezug auf den Ersten Weltkrieg wagt es ja bisweilen sogar schon der Mainstream, die alleinige Schuld Deutschlands in Frage zu stellen. Aber auch in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg gibt es einige Fakten, die uns im Geschichtsunterricht verschwiegen werden, die aber eindeutig bewiesen sind.

 

So hat der libertäre Stanford-Professor Anthony Sutton anhand von Dokumenten in seinen Büchern Wall Street und der Aufstieg Hitlers (englisch hier) und Wall Street and the Bolshevik Revolution eindeutig nachgewiesen, dass angloamerikanische Bankenkreise gleichzeitig die Bolschewisten in Russland und die Nazis in Deutschland finanzierten. Ich habe dies in meinem Buch Die Vereinigten Staaten von Europa zusammengefasst und durch zusätzliche Fakten angereichert.

Nun könnte man einwenden, diese Banken repräsentieren nicht den amerikanischen Staat. Wir haben es hier aber mit einem korporatistischen System zu tun, in dem die Grenzen zwischen Big Business und Big Government kaum mehr zu ziehen sind. Der Staat schützt das Privileg der Großbanken, Geld aus den Nichts zu schaffen. Mit diesem Geld werden die Kriege auf beiden Seiten finanziert.

 

Ein gewisser John McCloy

 

Besonders gut lässt sich die Verquickung von Wirtschaft und Politik an einer Person festmachen, die eine tragende Rolle in der Geschichte (und in meinem Buch) spielte: John McCloy. Er war Vorsitzender der Stiftung von Nazi-Sympathisant Henry Ford (auf dessen antisemitische Schriften Hitler sich bezog), Ehrenvorsitzender von Rockefellers Council on Foreign Relations und Rechtsberater der amerikanischen IG Farben. Ohne das Verfahren zur Kohlehydrierung, das der IG Farben von Rockefellers Standard Oil überlassen wurde, hätte Hitler unmöglich den Krieg führen können. Das ist ein nicht zu unterschätzendes Detail. Die US-Regierung hätte dies leicht verhindern können.

Warum wurden die Hydrierwerke der IG Farben erst ab etwa Mai 1944 auf Drängen von General Carl A. Spaatz bombardiert? Wie kommt es, dass ausgerechnet McCloy nach dem Krieg alsHochkommissar Deutschland regierte und Nazi-Industrielle begnadigte? Warum griff man relativ spät ein und ließ zu, dass sich Russen und Deutsche gegeneinander abschlachteten? Sicherlich ist es aus heutiger Sicht schwierig, alle militärischen Entscheidungen von damals richtig zu beurteilen. Aber alleine die Personalie McCloy sollte hellhörig machen.

Interessant an den Aussagen von George Friedman und den tatsächlichen Geschehnissen ist auch, dass es offenbar gar keine Rolle spielte, welche Systeme gerade in Deutschland oder Russland vorherrschten. Egal, ob es sich jeweils um Monarchien, Diktaturen oder mehr oder weniger freiheitliche Demokratien handelt: Das Ziel scheint zu sein, dass sich beide Länder nicht verbünden, komme was wolle.

 

Das Werk von Ludwig Erhard

 

Damit wir uns richtig verstehen: Ich lehne als Anarchist jede Staatsform ab und verbünden sollte man sich am besten auf individueller Ebene. Aber wir reden hier von Politikern und Machtinteressen. Ebenso ist klar, dass es den Westdeutschen unter amerikanischer Besatzung sehr gut und den Ostdeutschen unter russischer Besatzung sehr schlecht ergangen ist. Aber das lag ja nicht an den bösen Russen, sondern an der sowjetischen Planwirtschaft. Dass es uns so gut ging, hat Ludwig Erhard übrigens offenbar gegen den Willen der Alliierten durchgesetzt. Preisänderungen waren von den Alliierten zu genehmigen. Also hob Erhard die Preiskontrollen kurzerhand ganz auf und führte eine relativ freie Marktwirtschaft ein. Die Arbeitslosigkeit war innerhalb kürzester Zeit beseitigt. Wir zehren heute noch von Ludwig Erhards Politik. Seit seiner Kanzlerschaft wird beständig am Untergang Deutschlands gearbeitet.

Natürlich hätte ich vor russischen Truppen auf deutschem Boden zehnmal mehr Angst als vor amerikanischen. Das hat vor allem damit zu tun, dass in Amerika weltweit mit weitem Abstand diemeisten freiheitlich denkenden Menschen leben. Ihnen traue ich am ehesten zu, der ebenfalls freiheitlichsten Verfassung der Welt wieder Geltung zu verschaffen. Aber eine Besetzung Deutschlands durch Russland steht ja nicht zur Debatte, auch wenn in den finsteren Schubladen des FSB (Ex-KGB) sicherlich immer noch solche Pläne liegen dürften (siehe Weltoktober von Torsten Mann).

Doch wie wäre es einmal mit gar keinen fremden Truppen auf deutschem Boden? Wie wäre es langfristig mit Neutralität und freiem Handel mit jeder Nation dieser Welt ohne zentralistische Administrationen wie die EU-Kommission? Sicherlich, so lange Russland so autokratisch geführt wird, birgt dies große Risiken, die vermutlich kein Politiker eingehen will, selbst wenn er nicht heimlich in Diensten der USA steht. Und sicherlich müsste dem eine erhebliche Abrüstung auf Seiten der Russen vorangehen. Aber solange die US-geführte NATO Russland so nahe auf die Pelle rückt, wird das Land mit Sicherheit nicht abrüsten.

Seit dem Fall der Mauer kann sich Deutschland jedenfalls nicht über das außenpolitische Verhalten der russischen Regierung beschweren. Von den Russen wird uns nicht andauernd der Zweite Weltkrieg unter die Nase gerieben (sondern von unseren griechischen »Freunden«), obwohl die Russen am meisten Opfer zu beklagen hatten. 2010 kam heraus, dass Moskau im Zuge der Wiedervereinigung sogar anbot, Ostpreußen zurückzugeben. George Friedman schildert, dass die USA aber um keinen Preis der Welt eine Annäherung der beiden Länder zulassen wollen. Zu diesem Zweck, so führt er aus, soll es eine Art Pufferzone zwischen Deutschland und Russland mit russlandfeindlichen Regierungen geben (ab Minute elf in diesem Video, dort ist auch eine Karte eingeblendet).

 

Über Putin und Merkel

 

Das große Rätsel ist dabei natürlich Wladimir Putin. Wie ich in meinem Buch belege, pflegt auch er enge Beziehungen zu Rockefellers Council on Foreign Relations (CFR) und der Trilateralen Kommission (TK). Wird uns hier also nur ein riesiges Schauspiel geboten? Ich versuche, die Lage hier in diesem Video aus spieltheoretischer Sicht zu analysieren. Wie ich immer wieder betone, kann es die eine große Weltverschwörung nicht geben, sonst wären deren (in meinem Buch durch Originalquellen belegte) Pläne für eine Weltregierung längst umgesetzt. Die Realität ist immer komplexer als ein Plan.

Im Fokus der Amerikaner dürfte jetzt Angela Merkel stehen. Was Unternehmen wie Stratfor in so einem Fall empfehlen, ist durch einen Hacker-Angriff ans Licht gekommen. George Friedman soll in einer E-Mail an eine Mitarbeiterin Folgendes empfohlen haben :

»Wenn dies eine Quelle ist, von der du glaubst, dass sie wertvoll sein könnte, musst du die Kontrolle über sie gewinnen. Kontrolle heißt finanzielle, sexuelle oder psychologische Kontrolle.«

Nun, ich würde behaupten, sexuelle Kontrolle können wir bei Angela Merkel ausschließen und Finanzmittel haben beide Seiten genug. Falls Frau Merkel überhaupt Gutes im Sinn hat, wäre Erpressung das Mittel der Wahl. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sie als FDJ-Sekretärin, die in den Westen reisen durfte, keine Stasi-Verpflichtungserklärung unterschrieben hat (ausführliche Analyse auch dazu in meinem Buch). Aber inzwischen dürfte sie mit dem amerikanischen Geheimdienst mindestens so viel zu tun haben wie mit dem russischen.

Ich glaube, sie schläft zurzeit schlecht, weil sie nicht weiß, welchem Herrchen sie dienen soll.

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