„Niemand wird vergessen. Nichts wird vergessen“

 Bundesarchiv_Bild_183-W0506-316,_Russland,_Kampf_um_Stalingrad,_Siegesflagge
75. Jahrestag des Angriffs Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion –

Von ANDREAS VON WESTPHALEN, 22. Juni 2016 –

„27 Millionen. So viele Sowjetbürger starben als Opfer des deutschen Krieges zwischen 1941 und 1945. Es ist eine Zahl, die viele hierzulande nicht kennen. Oder nicht kennen wollen“, bemerkte Peter Jahn, Historiker und langjähriger Leiter des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst, vor fast zehn Jahren. Jahn gab weiter zu bedenken: „Es ist zu befürchten, dass den meisten Menschen hierzulande die ungeheuerliche Dimension des Terrors, den die Deutschen in jenen dreieinhalb Jahren über die Sowjetunion brachten, bis heute nicht wirklich klar geworden ist.“ (1)

Der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Sowjetrussland war unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“ bereits ein knappes Jahr vor Beginn des Feldzuges von langer Hand geplant. (2) Die Vernichtung des „jüdischen Bolschewismus“ war eines der  politischen Hauptziele Adolf Hitlers. „Barbarossa“ gehört zu den größten Kriegsverbrechen der Menschheit.

Größter Gewaltexzess der modernen Geschichte

Der 22. Juni 1941 ist einer „der wichtigsten Tage in der Geschichte Europas. (…) Er war der Beginn einer Katastrophe, die sich der Beschreibung verweigert“ (3), so der US-Historiker Timothy Snyder. Auf der Seite der Mittelmächte stand das größte Invasionsheer, das jemals zusammengezogen worden war (4): Fast 3,6 Millionen deutsche und verbündete Soldaten, rund 3 600 Panzer und über 2 700 Flugzeuge. (5) Die Sowjetunion mobilisierte im Verlauf des Krieges mehr als 30 Millionen Soldaten. Zeitweise war die Front 3 000 Kilometer lang. (6)

Lagebesprechung
Adolf Hitler im Kreis hoher Militärs bei einer Lagebesprechnung im Hauptquartier der Heeresgruppe Süd in Poltawa. © Bundesarchiv

Der deutsche Krieg gegen die Sowjetunion ist als der brutalste und ungeheuerlichste Feldzug in die Geschichte eingegangen. (7) Der Historiker Wolfram Wette bezeichnet diesen Krieg als „den größten Gewaltexzess in der modernen Menschheitsgeschichte“.(8) Kein anderes Land in der Weltgeschichte hat so viele Menschen verloren wie die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. (9) Nach aktuellen Schätzungen starben 26,6 Millionen Sowjetbürger. (10) Damit ist jeder Siebte dem Krieg zum Opfer gefallen, mehr als die Hälfte davon waren Zivilisten. Allein während der Blockade Leningrads starben rund eine Million Menschen. Das sind „rund doppelt so viele Zivilisten wie in Deutschland während des gesamten Kriegs durch die alliierten Luftangriffe umgekommen sind“ – und das in nur 857 Tagen, die die Abriegelung der Stadt andauerte.  (11)

11,4 Millionen sowjetische Soldaten starben. In nur zwei Kriegsmonaten verlor die Rote Armee fast so viele Männer wie die Vereinigten Staaten und Großbritannien im gesamten Krieg. (12) Die deutschen Streitkräfte erlitten ihre größten Verluste an der Ostfront. Bis 1944 waren hier auch ihre Hauptkräfte konzentriert. 80 Prozent ihrer Gefallenen sind dort während des Krieges ums Leben gekommen:  2,7 Millionen Soldaten  (13)

Mauthausen
Das Leid sowjetischer Kriegsgefangner, hier im Konzentrationslager Mauthausen, war unbeschreiblich.  © Bundesarchiv

Auch weitere Zahlen des Krieges zwischen Nazi-Deutschland und seinen Verbündeten gegen die UdSSR lassen die kaum vorstellbaren Dimensionen des Grauens erahnen. Niemals in der Geschichte starben so viel Kriegsgefangene in so kurzer Zeit wie Rotarmisten in deutscher Hand, besonders während der Monate von Oktober 1941 bis Mai 1942. (14) Von den rund 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen waren 3,3 Millionen verhungert, erfroren, an Seuchen gestorben oder erschossen worden, also etwa 57 Prozent. Hingegen starben nur 3,5 Prozent britische oder US-amerikanische Soldaten in deutscher Gefangenschaft.  (15) Timothy Snyder stellt einen erhellenden Vergleich an: „An einem beliebigen Tag im Herbst 1941 starben ebenso viele sowjetische Kriegsgefangene wie britische und amerikanische Kriegsgefangene während des ganzen Krieges.“ (16) Von 3,15 Millionen gefangenen deutschen Soldaten überlebten hingegen zwei Drittel die Gefangenschaft in sowjetischen Lagern, die teilweise mehr als zehn Jahre dauerte.

2,8 Millionen der kriegsgefangenen sowjetischen Soldaten wurden als Zwangsarbeiter für die Industrie Nazideutschlands rekrutiert. (17)

Insgesamt erlebten ca. 60 Millionen Sowjetbürger die deutsche Besatzung (18), 16,5 Millionen von ihnen wurden evakuiert. (19) Die Zahl der Deutschen, die während des Zweiten Weltkriegs und in den anschließenden Jahren ihre Heimat verloren, lag bei über zwölf Millionen. (20)

Kolonialkrieg für Lebensraum im Osten

„Untersuchungen zur Geschichte des deutsch-sowjetischen Krieges verdrängen allzu oft den schlichten Tatbestand, dass der deutsche Überfall auf die UdSSR am 22. Juni 1941 einer primär wirtschaftlichen Zielsetzung folgte, nämlich ‚Lebensraum im Osten’ zu erobern“, schreibt der Historiker Rolf-Dieter Müller. (21) Und sein Kollege Christian Hartmann betont, dass der Feldzug  „von vornherein als rassenideologischer Vernichtungskrieg“ konzipiert war. (22)

Panzer
Deutsche Panzer rücken vor (Ukraine, 1943). Hitler wollte „aus den besetzten russischen Gebieten herauszuholen, was sich herausholen lasse“. © Bundesarchiv

Tatsächlich war Adolf Hitler der Ansicht, dass „diese Völker uns gegenüber in erster Linie die Aufgabe haben, uns wirtschaftlich zu dienen“, weshalb es darauf ankomme, „aus den besetzten russischen Gebieten herauszuholen, was sich herausholen lasse“. (23) Zwei Tage vor Kriegsbeginn betonte Hitler ebenfalls den rein wirtschaftlichen Aspekt des Überfalls: „Das Ziel muss also sein, sich alle die Gebiete, die für uns wehrwirtschaftlich von besonderem Interesse sind, durch Eroberung zu sichern.“ (24) Auf einer Besprechung am 16. Juli 1941 skizzierte er seine entsprechende Vorstellung vom künftigen Schicksal des Ostens: „Besetzen, verwalten, ausbeuten.“ (25) Die Ausbeutung der Sowjetunion erschien anfangs vielversprechend. Im Dezember 1941 jubelte ein Vorstandsmitglied der Dresdner Bank über den „größten Amortisierungsplan der Geschichte.“ (26)

Der Angriffskrieg auf die Sowjetunion läutete auch ein vollkommen neues Kapitel in der Geschichte der Kolonialkriege ein. So betonte SS-Reichsführer Heinrich Himmler die rassenideologische Komponente des Krieges und erklärte 1942: „Unsere Aufgabe ist es, den Osten nicht im alten Sinne zu germanisieren, das heißt dort wohnenden Menschen deutsche Sprache und deutsche Gesetze beizubringen, sondern dafür zu sorgen, dass im Osten nur Menschen wirklich deutschen, germanischen Blutes wohnen.“ (27)

Vier Utopien

Am 22. Juni 1941 gab es vier Utopien auf deutscher Seite, wie Timothy Snyder darlegt: „einen Blitzkrieg, der die Sowjetunion binnen weniger Wochen zerstören würde; einen Hungerplan, der 30 Millionen Menschen in wenigen Monaten durch den Hungertod beseitigen sollte; eine Endlösung, durch die Europas Juden nach dem Krieg verschwinden sollten; und einen Generalplan Ost, der den Westen der Sowjetunion zur deutschen Kolonie machen würde. Sechs Monate nach Beginn von Unternehmen Barbarossa hatte Hitler die Kriegsziele so umformuliert, dass die physische Vernichtung der Juden zur Priorität wurde.“ (28)

Verschiedene Dokumente, die zum Teil bereits vor Kriegsbeginn verfasst wurden, sind Bestandteil des sogenannten „Hungerplans“. So steht in der Aktennotiz einer Besprechung der Staatssekretäre am 2. Mai 1941, dass „zweifellos zig Millionen verhungern, wenn das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.“ (29) In den „Wirtschaftspolitischen Richtlinien“ vom 23. Mai 1941 steht dazu: „Viele 10 Millionen von Menschen werden in diesem Gebiet überflüssig und werden sterben oder nach Sibirien auswandern müssen.“ (30)

Der sogenannte „Generalplan Ost“ war die „genozidale Strategie der ‚Germanisierung’ des gesamten ‚Ostraums’“. (31) Hierbei war das Ziel, „31 Millionen Menschen auszusiedeln und 14 Millionen als Arbeitskräfte und Einzudeutschende in den Siedlungsgebieten zu belassen.“ (32)

Gezielte Völkerrechtsverletzungen

Gut fünf Wochen vor Kriegsbeginn schob der sogenannte Kriegsgerichtsbarkeitserlass „elementarste kriegsvölkerrechtliche Grundsätze beiseite“ (33) und „bildete die Basis für die nahezu völlige Entrechtung der Zivilbevölkerung.“ (34) Der Erlass ordnete unter anderem an, dass kein Verfolgungszwang bei Straftaten von Angehörigen der Wehrmacht gegen Einwohner der besetzten Gebiete bestehe und „erlaubte ‚kollektive Gewaltmaßnahmen’ gegen ganze Ortschaften. Zugleich ermächtigte er jeden einzelnen Offizier, verfahrenslose Exekutionen von ‚verdächtigen’ Zivilisten anzuordnen. Er bildete damit die Grundlage der deutschen Gewaltpolitik gegen die Zivilbevölkerung.“ (35)

Erhängte Partisanen
Elementarste kriegsvölkerrechtliche Grundsätze waren per Erlass außer Kraft gesetzt. Sowjetische Partisanenkämpfer wurden öffentlich am Galgen aufgeknüpft und als Warnung der Bevölkerung präsentiert.  © Bundesarchiv

Die „Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare“, die zwei Wochen vor Kriegsbeginn erlassen wurde, enthielt die Anweisung, dass Politkommissare der sowjetischen Armee nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, sondern ohne Verhandlung zu erschießen seien. (36) Um die Dimensionen allein dieser Anordnung besser einordnen zu können, sei darauf hingewiesen, dass zu diesem Zeitpunkt die KPdSU etwa 2,5 Millionen Mitglieder hatte. Diese Größenordnung war auch im Deutschen Reich bekannt. (37) In 60 bis 80 Prozent aller Divisionen kam dieser sogenannte Kommissarbefehl zur Ausführung. (38)

Bereits die oben angeführte extreme Sterblichkeitsquote unter den Kriegsgefangenen der Roten Armee legt nahe, dass von einem völkerrechtlichen Schutz der Gefangenen keine Rede sein konnte.

Schon drei Monate vor dem Krieg hatte Adolf Hitler die Marschroute vorgegeben: „Wir müssen von dem Standpunkt des soldatischen Kameradentums abrücken. Der Kommunist ist vorher kein Kamerad und nachher kein Kamerad. Es handelt sich um einen Vernichtungskampf.“ (39) Ganz in diesem Sinne lautete der Ausspruch General Eduard Wagners, Generalquartiermeister im Oberkommando des Heeres, gegenüber den Stabschefs der Armeen und Heeresgruppen: „Nichtarbeitende Kriegsgefangene in den Gefangenenlagern haben zu verhungern.“ (40)

Finanzielle Anerkennungsleistung

„Der moralischen und finanziellen Wiedergutmachung des vom NS-Regime verübten Unrechts hat die Bundesregierung von Anfang an eine besondere Priorität eingeräumt. Auch heute noch stellt sie sich dieser Aufgabe“, lässt das Auswärtige Amt auf seiner Webseite verlauten. (41) In der Tat hat der Bund überlebenden Opfern des NS-Regimes von 1956 bis Ende 2013 insgesamt 71 Milliarden Euro als Entschädigung gezahlt. (42)

Jahrzehnte lang hatten sich jedoch sowjetische Kriegsgefangene erfolglos um eine Entschädigung bemüht. Erst letztes Jahr erkannte ihnen schliesslich der deutsche Bundestag eine “finanzielle Anerkennungsleistung” in Höhe von 10 Millionen Euro zu. Heute leben nur noch etwa 4 000 ehemalige Kriegsgefangene, sodass jeder eine Entschädigung von 2 500 Euro erhalten soll. (43)

Herausforderung an die „Erinnerungskultur“

Der Historiker Wigbert Benz spricht von einem „grotesken Missverhältnis der Schwere des Großverbrechens zu seiner gegenwärtigen Erinnerung im Gedächtnis der Deutschen.“ (44) Zwar schickte Bundespräsident Joachim Gauck 2014 zum Jahrestag der Befreiung Leningrads einen Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Darin erklärte Gauck: „Deutschland ist sich seiner geschichtlichen Verantwortung für das Leid, das den Einwohnern Leningrads angetan wurde, und für die brutale Kriegsführung seiner Soldaten, Einsatzgruppen und SS-Formationen bewusst.” (45) Hier stellt sich die Frage, inwiefern bei dieser Aussage der Wunsch der Vater des Gedankens war, denn im allgemeinen Bewusstsein der deutschen Bevölkerung spielt die Belagerung Leningrads keine nennenswerte Rolle. Wigbert Benz wagte bereits vor fünf Jahren die Prognose, „dass am 22. Juni 2011 der 70. Jahrestag des ‚Unternehmens Barbarossa’ kein großes Thema in den Medien der Bundesrepublik Deutschland sein wird. Viele Bundesbürger werden (…) beim Begriff „Hungerplan“ an einen Diätplan zum Abspecken überflüssiger Pfunde denken.“ (46)

Im vergangenen Jahr erinnerte der Bundespräsident in seiner Rede zum Jahrestag an die sowjetischen Kriegsgefangenen. Ihr Tod sei „eines der größten deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs“ gewesen. Gauck ist aber deutlich zurückhaltender, was die deutsche Erinnerung angeht. So gesteht er, dass das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen „nie angemessen ins Bewusstsein gekommen (sei) – es liegt bis heute in einem Erinnerungsschatten“. (47)

Peter Jahn wünschte sich schon vor fünf Jahren, dass in Deutschland „ein Ort der Erinnerung für die Millionen Opfer geschaffen würde, die unter der Prämisse des antislawischen Rassismus zwischen 1939 und 1945 ermordet wurden“ (48) und der Journalist und Autor Jens Bisky stellt in der Süddeutschen Zeitung die Frage „warum es in Deutschland noch kein Denkmal für die sowjetischen Kriegsgefangenen gibt“. (49)

Stalingrad
Die deutsche Erinnerung kreist um Stalingrad und die „Opferung der 6. Armee“. Abb.: Im Oktober 1942 bombardierten Ju 87-Kampfflugzeuge der Luftwaffe die Stadt. © Bundesarchiv

Die Antwort darauf kann in einer verzerrten Geschichtswahrnehmung zu finden sein, um nicht von einem blinden Fleck im deutschen Geschichtsbewusstsein zu sprechen. Für den Historiker Christian Streit hat der Prozess der Verdrängung schon während des Krieges begonnen: „Die Erinnerungen an den deutschen Überfall 1941 und die damals eingeführten Methoden der Kriegsführung und der Besatzungspolitik wurde bei den meisten Soldaten – wie im öffentlichen Bewusstsein überhaupt – überlagert von der Erinnerung an die erbitterten, blutigen Abwehrkämpfe gegen die übermächtig gewordene Rote Armee. Der Angriffs- und Eroberungskrieg wurde umstilisiert zum Verteidigungskrieg.“ (50) Entsprechend kreist die deutsche Erinnerung um Stalingrad und die „Opferung der 6. Armee“ durch Hitler und weniger um den „stillen Völkermord“, wie der Historiker Jörg Ganzenmüller die Blockade Leningrads zu Recht charakterisiert.

Wie bedenklich es um das Geschichtsbewusstsein der Deutschen im Hinblick auf die Rolle der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg bestellt ist, zeigte im letzten Jahr eine Umfrage von ICM Research: Auf die Frage, welches Land Europa im Zweiten Weltkrieg befreit habe, antworteten mehr als die Hälfte der befragten Deutschen, dass die USA Europa vom Faschismus erlöst habe. Nur 17 Prozent nannten die Sowjetunion. (51) Die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage sind nur unwesentlich verändert  (50 Prozent nennen die USA, 24 Prozent die UdSSR). (52)

Die langen Schatten des „Neuen Kalten Krieges“

Anfang Februar 1943: Die Rote Armee hat Stalingrad befreit

Zur aktuellen Gedenksituation kommentiert Spiegel Online: „Es hat Jahrzehnte gedauert, bis in der Bundesrepublik angemessen des 22. Juni gedacht wurde. In diesem Jahr jährt sich der Überfall nun zum 75. Mal, auch in Berlin soll natürlich daran erinnert werden. Doch im Gegensatz zu 2015, als in Deutschland des 70. Jahrestags des Kriegsendes im Mai 1945 mit einer Vielzahl von Ausstellungen und Reden gedacht wurde, fallen die Feierlichkeiten diesmal übersichtlicher aus.“ (53)

Die Ukraine kritisiert die geplante Gedenkveranstaltung Russlands im Berliner Dom und warnt: „Sie sei ein ‚Trick’, mit dem die russische Seite die Aufmerksamkeit von ihren ‚verbrecherischen Handlungen auf der Krim und in der Ostukraine ablenken’.“ (54)

In einer Zeit, in der Deutschland im Weißbuch, dem obersten Leitfaden für die sicherheitspolitischen Entscheidungen des Landes, Russland als Rivalen bezeichnet (55), in der die EU die Krim-Sanktionen verlängert, (56) die NATO Militärübungen an den russischen Grenzen bis einen Tag vor diesem historischen Datum durchführt (57) und der Leichtathletik-Weltverband IAAF russische Sportler von den Olympischen Spielen in Rio ausschließt (58), könnte die politische Lage kaum angespannter sein. Entsprechend schwierig ist es, angemessen des „größten Gewaltexzesses in der modernen Menschheitsgeschichte“ zu gedenken. Deshalb sei 75 Jahre nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion an die Worte des ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, erinnert. Am 9. Mai 1990 sagte er: „Niemand wird vergessen, nichts wird vergessen…“ (59) Den Deutschen, insbesondere jenen aus den alten Bundesländern, sollte das Resümee des Historikers Christian Streit, das er bereits vor zwanzig Jahren in seinem BuchKeine Kameraden: Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945 formulierte, eine Mahnung sein: „Die Voraussetzung zur Versöhnung ist (…) die Erinnerung an das, was war.“

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