Epochenwechsel in Weltpolitik: „Das Jahr der großen Wende“

Natalya Seliverstova
29.12.2016
Das scheidende Jahr zieht international einen Schlussstrich unter eine Epoche. Der Versuch, die aus dem Kalten Krieg überlieferten Institutionen zu nutzen, um eine US-zentrische Welt zu gestalten, ist gescheitert.

Die Verhältnisse sind nun anders, neue Formen erforderlich, wie der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow betont. In einem Gastbeitrag für die russische Zeitschrift „Ogonjok“ schreibt Lukjanow, das scheidende Jahr könne als „Jahr der großen Wende“ in der globalen Politik bezeichnet werden.

Was Donald Trump anstrebe, sei offenbar das Amerika aus der Epoche von Dwight Eisenhower:
„Jenes Land soll stark genug gewesen sein, um seine Interessen, seine Freunde und seine Lebensweise zu verteidigen, aber auch klug genug, um den anderen nicht seine Regeln aufzuzwingen und alle um sich herum nicht zu belehren. Eine Gesellschaft, die für ihr eigenes Wohl arbeitet, aber noch nicht mit dem Bazillus der Political Correctness und der heuchlerischen Erhebung der Minderheiten angesteckt ist.“

„In solch einem Amerika will Trump leben – ebenso wie ein wesentlicher Teil der US-Gesellschaft, wie Umfragen zeigen.

Es bleibt allerdings die Frage offen, ob ein solches Amerika in Wirklichkeit existiert hatte und sich nun im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wiederaufbauen lässt. Die Antwort ist wahrscheinlich negativ.

Doch es geht nicht um politische Programme und Strategien, sondern um Stimmungen der Wähler, und zwar nicht nur in den USA“, so Lukjanow. Er erläutert: „Die als ‚Populisten‘ bezeichneten politischen Kräfte (diejenigen also, die der regierenden Klasse nicht gefallen, aber zu deren Erstaunen immer öfter Wahlerfolge erzielen) spüren Veränderungen in der Haltung der Gesellschaft und instrumentalisieren sie gegen das Establishment.“

„Das Jahr 2016 zog einen Schlussstrich unter die Epoche, die nach dem Kalten Krieg eingekehrt war und der Welt eine neue Ordnung gebracht haben soll. Im Rückblick kann man allerdings sagen, dass statt einer neuen Ordnung der Versuch unternommen wurde, die westlichen Institutionen, die den Kalten Krieg und die bipolare Konfrontation bedient hatten, im Sinne einer ‚amerikanischen Welt‘ umzudrehen. Das hat nicht geklappt, denn die Verhältnisse weltweit sind inzwischen qualitativ anders und erfordern neue Formen.“ Was konkret komme, sei noch unklar. Was jetzt geschehe, ähnele vorerst einer zunehmenden Welle der Souveränisierung und des Verzichts auf jenen globalen Universalismus, der seit Ende der 1980er Jahre geherrscht habe (obwohl die allgemeine gegenseitige Abhängigkeit bleibe): „Die Kräfte, die das Establishment bedrängen, sind zwar (bestenfalls) fähig, die Krankheit zu diagnostizieren, aber nicht in der Lage, Methoden zur Behandlung zu formulieren.“

„In der Weltpolitik scheint ein Zeitalter zu kommen, in dem die Nachfrage nicht nach Chimären und Ambitionen zunehmen wird, sondern nach Hausarbeit, die allen ohne Ausnahme bevorsteht. Die vor 25 Jahren entstandenen Illusionen von einer neuen Welt haben sich aufgelöst. Die alte Welt ist nicht mehr zurückzubringen. Um eine künftige aufzubauen, muss man mit sich selbst anfangen“, schreibt Lukjanow abschließend

Mehr: https://de.sputniknews.com/politik/20161229313974662-epochenwechsel-weltpolitik/

„Cameron, Renzi, Hollande, Obama geh‘n. Bleibt aber die Mutti steh’n?“
  • John Macdougall
    07.12.2016
    Männer kommen und gehen, „Mutti“ bleibt?

    Alle winken sie höflich und treten ab, nur Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht: Wie ein Fels in der Brandung zeigt sie ihre Firmengeste – den „Merkelizer“. Will die Kanzlerin uns mit ihrer „Raute der Macht“ aus der Vergangenheit nahebringen, dass sie auch weiter am Ruder bleibt?

    …Über ein Jahr ist es her, dass dieses Foto beim G7-Gipfel in Elmau 2015 geknipst wurde, und schon sind alle Winkenden – US-Präsident Barack Obama, der französische Staatschef Francois Hollande, der britische Premier David Cameron und sein italienischer Amtskollege Matteo Renzi weg vom Fenster. Einer der ersten Schicksalsschläge für die Kanzlerin war der Rücktritt des britischen Premierministers Cameron nach dem Brexit-Schock. Zum Verlust Nummer zwei wurde die Tatsache, dass Obama sein Amt nicht seiner geliebten Nachfolgerin Clinton, sondern Trump überlassen hat. Dann auch noch dieser schwache Franzose Hollande: 2017 wolle er nicht mehr als Präsident kandidieren. Und nun kündigt auch Matteo Renzi seinen Rücktritt an.

    Alle sind nun auf Abschiedstour. Wird aber die Bundeskanzlerin sich der Loserclique entreißen können? Als CDU-Vorsitzende kassierte Angela Merkel nun ihr zweitschlechtestes Wiederwahl-Ergebnis. Dann auch noch diese desaströse CDU-Wahlniederlage und AfD-Triumph in Mecklenburg-Vorpommern…

    Wird sich Angela Merkel angesichts eines solchen Debakels und ihrer umstrittenen Flüchtlingspolitik 2017 erneut als Bundeskanzlerin behaupten können? Nur „Mutti“ selbst wird wohl wissen, warum Sie allein nicht die Hand zum Farewell erhoben hatte

    Mehr: https://de.sputniknews.com/politik/20161207313674655-the-merkelizer/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s