„Oh My God!“ – SUSAN NEIMAN

  •  SUSAN NEIMAN Moralphilosophin und Direktorin am Einstein Forum in Potsdam sagt, was sie denkt in der FAZ
    22.12.2016,
    Nach der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten ist klar:
    • Wer heute nach Vernunft sucht, muss nach Deutschland schauen. 70 Jahre nach Kriegsende
    • muss man sich hierzulande vor einer Führungsrolle nicht mehr fürchten. Schon die ersten Titelbilder nach der Wahl in Amerika waren erstaunlich. Auf dem Titel des „Spiegel“ wurde
    • Donald Trump als großer flammender Asteroid dargestellt, der auf unseren kleinen Planeten zurast; darunter steht
    • „Das Ende der Welt“, relativiert allerdings mit dem Zusatz „wie wir sie kennen“. Doch letzteres wird kleingeschrieben, in Klammern gesetzt; die Botschaft ist schon eine andere. Wie viele andere deutsche Medien griff die „Zeit“ zu einer
    • trauernden Freiheitsstatue; umso markanter war die Schlagzeile, auf schlichtem Englisch:
    • „Oh My God!“.
    • Faschismusvergleiche, auf die Deutsche sonst allergisch reagieren, werden in vielen Zeitschriften gezogen. Inzwischen werden wir in Kommentaren gemahnt, weniger dramatisch zu werden beim Ausblick auf vorerst vier Jahre Trump im Weißen Haus.
    • Einige, die den Details der Präsidentenwahl nicht gefolgt sind, sind der Meinung, man müsse demokratische Prozesse respektieren. Der Hang zur Normalisierung ist verständlich: wer will schon jeden Morgen mit dem Gedanken aufwachen, dass
    • die Welt in eine Krise geraten ist, die kein Mensch zu lösen weiß ? Diesem Hang hat die Kanzlerin widerstanden, als sie am Tag nach Trumps Wahlsieg eine beispiellos undiplomatische Rede gehalten hat, in der sie
    • Hillary Clintons Bezwinger an alle Werte der westlichen Welt erinnerte,
    • die er während seiner Kampagne mit Füßen getreten hat. Man kann nur wünschen,
    • dass andere Weltpolitiker den Mut finden, sich ein Beispiel an Angela Merkel zu nehmen.
    • Die Zeit der Diplomatie ist vorbei. Seit Monaten wird
    • in den seriösen amerikanischen Zeitschriften darüber debattiert,
    • inwieweit das Attribut „faschistisch“ auf Donald Trump angewendet werden darf. Mit Recht wies Noam Chomsky darauf hin, dass das Wort normalerweise mit einem kohärenten, wenngleich abscheulichen Programm verbunden ist,
    • während Trump an nichts außer sich selbst zu glauben scheint. Doch der
    • Konsens, dass Trumps Methoden wie auch seine Inhalte – insofern es diese gibt – durchaus vergleichbar sind mit denjenigen, die Faschisten und Nationalsozialisten benutzt haben,
    • breitet sich aus… Es ist also durchaus richtig, dass die deutschen Medien Alarm schlagen. Hier und da hört man Untertöne von Schadenfreude:
    • so dumm und vulgär sind die Amis also doch.
    • Keine Karikatur des hässlichen Amerikaners könnte Donald Trump tatsächlich gerecht werden; man könnte beim besten Willen den Mann nicht erfinden. Doch auch wenn einige wenige ihre Vorurteile bestätigt sehen, sind die meisten hierzulande wirklich besorgt. Die Ängste über einen möglichen Nato-Austritt decken eine noch größere Angst ab: zum ersten Mal seit 70 Jahren ist es klar,
    • dass Deutschland nirgendwo Sicherheit suchen kann – außer bei sich selbst.
    • Trumps Wahl ist nicht nur ein Angriff auf die wichtigsten Werte, die wir haben, wie die Kanzlerin unterstrich, sondern ein Angriff auf die Vernunft schlechthin.
    • Wer heute bei den Großmächten nach Werten und Vernunft sucht, muss nach Deutschland schauen…
    • Es ist jetzt an der Zeit, sich von der Vorstellung zu trennen, der große Bruder jenseits des Atlantiks wird uns vor Fehlern schützen.
    • Deutschland ist schon erwachsen genug, um selbst ein Vorbild zu sein. Es muss es nur erkennen.
    http://www.faz.net/aktuell/politik/wahl-in-amerika/kuenftiger-praesident-trump-die-deutschen-sollten-keine-angst-haben-14587406.html
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