AMERIKA Weltmacht auf Abruf

14.10.2016
Gabor Steingart

Amerika ist noch immer eine Weltmacht, aber eine Weltmacht auf Abruf. Das Land leidet zeitgleich an Überforderung und Selbstüberschätzung, wobei die historische List im gleichzeitigen Auftreten der beiden Phänomene besteht. Der Abstieg wird durch die Selbstüberschätzung nicht weniger real, aber Amerika spürt die Schmerzen nicht so. Das Bild vom »American Dream« führt unter diesen Bedingungen ein zweites Leben im Halluzinarium.

Früher stand der amerikanische Traum für die Idee vom Aufstieg, heute für eine Kultur des Nostalgismus bei vorsätzlichem Nichtverstehen der Gegenwart. Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat darauf seine Kampagne »Make America Great Again!« aufgebaut. Trumpistan ist der Sehnsuchtsort einer Weltmacht im Abstieg. Das Bemerkenswerte ist, dass für den oberflächlichen Betrachter zunächst nichts auf einen Abstieg hindeutet, weshalb das Dasein in der Traumwelt bisher gut funktioniert.

Die US-Streitkräfte bilden weiterhin den Showroom, in dem die Weltmachtambitionen ausgestellt werden. Das Sortiment an Aufklärungs-, Transport- und A Trumpistan ist der Sehnsuchtsort einer Weltmacht im Abstieg. 3 Tötungsgerät ist imposant; zu den Schmuckstücken der Sammlung gehören rund 7000 Atomsprengköpfe, die in den kommenden Jahren durch eine für 100 Milliarden Dollar – das entspricht den addierten Staatshaushalten von Afghanistan, Somalia, Liberia, Niger, Sierra Leone, Simbabwe, Eritrea und Kongo – erworbene Flotte von B-3-Bombern ergänzt werden. Ausgestattet mit Laserwaffen können diese Geschwader das feindliche Radar unerkannt durchfliegen. Komplettiert wird diese Hightech-Kollektion durch eine wachsende Zahl unbemannter Drohnen, mit deren Hilfe sich selbst in unwegsamem Gelände Terroristen – bei Bedarf auch unschuldige Hochzeitsgesellschaften – jagen lassen, ohne dass ein US-Soldat zu Schaden kommt. Dabei herrscht an einsatzwilligem Kriegspersonal kein Mangel. 1,4 Millionen aktive Soldaten befehligen 1,1 Millionen Reservisten; die rund 750.000 zivilen Mitarbeiter der US-Streitkräfte sind dabei nicht mitgezählt. Marine, Luftwaffe und Heer gelten als nationale Heiligtümer, für die zu leben und sterben hohes Sozialprestige verspricht. Vor die Alternative gestellt, auf fremdem Boden ins Gras zu beißen oder daheim den Weltverdickungsplänen von McDonalds & Co zu erliegen, weiß der Patriot klug zu entscheiden. Ökonomisch ist Amerika noch immer der Gorilla der Weltwirtschaft. Kein anderes Land besitzt kräftigere Muskeln. Sogar die Wall-Street-Größen sind nach kurzer Rekonvaleszenz im Zuge der Weltfinanzkrise 2008 wieder auferstanden von den Toten – profitträchtiger, intransparenter und gieriger denn je. Derweil die Europäer, angeleitet von deutscher Gründlichkeit, ihre Finanzinstitute nach allen Regeln bürokratischer Kunst regulieren und zum Teil auch schon strangulieren, ist der Marktanteil der US-Banken in der Nach-Lehman-Zeit kräftig gestiegen. Wells Fargo, JP Morgan und Goldman Sachs leben im monetären Olymp, derweil die Deutsche Bank auf die globale Position Nummer 74 und damit ins Basement der Finanzindustrie abgestiegen ist. Der Dollar blieb trotz der Konkurrenz aus China und Euroland die alles beherrschende Leit-, Transaktionsund Reservewährung der Welt. Über 63 Prozent der Währungsreserven werden in Dollar gehalten, jede zweite Transaktion wird mit seiner Hilfe abgewickelt. Noch auf dem entlegensten Fleckchen Erde, wo das Vorzeigen von Mastercard und Euroschein nur ein Achselzucken hervorruft, bringt das Entfalten einer zerknitterten Dollarnote die Augen zum Leuchten. Es ist dieser Mythos der Unwiderstehlichkeit, der machtbewusste Männer wie Winston Churchill einst auf die Palme trieb. »Dollarsklaverei«, schimpfte er. Die Diktatur des Britischen Pfundes, das zuvor die Welt regiert hatte, war ihm deutlich lieber. Auch die kulturellen Errungenschaften Amerikas, von der laufenden Hollywood-Produktion bis zur WhatsApp-Gruppe, erfreuen sich anhaltender Beliebtheit. Von den weltweit 50 erfolgreichsten Filmen des Jahres 2015 waren 44 US-Produktionen. Die Nachfolger von Elvis Presley und Aretha Franklin heißen Madonna, Rihanna und Pink, nicht Aisha und Mustafa. Wir fassen zusammen: Die technische Reichweite der USA, um einen Begriff der Werbeindustrie zu verwenden, ist weiterhin intakt. Der lange Arm ihrer Währung, ihres Lebensstils, ihrer Waren, ihrer Popkultur und ihres Militärs reicht überall hin. Nur, und hier beginnt der verstörende Teil der Wirklichkeit, diese Reichweite 5 übersetzt sich nicht mehr in politische Gefolgschaft.

Die Menschen hören die Botschaft, aber kaufen sie nicht. Oft wird sie nicht einmal mehr verstanden. Der US-Präsident sagt »Demokratie«, und die islamische Welt versteht »Angriff«. Der US-Präsident sagt »Freihandel«, und in Europa klingt es nach der Aufforderung zur Unterwerfung. Der US-Präsident wirbt für »universelle Menschenrechte«, und ein Großteil der Menschheit denkt an das Strafgefangenenlager »Guantanamo« mit seinen modern ausgestatteten Folterkellern, wo die Befragungen der Delinquenten in einer kühl durchfluteten Ertränkungsanlage durchgeführt werden. So wirkt denn die kulturelle, ökonomische und militärische Hegemonie nicht mehr zum Ruhme Amerikas, sondern funktioniert als schier unerschöpfliche Quelle des Ressentiments und der Feindseligkeit. In paradoxer Verkehrung der bisherigen Machtmechanik verhindert die US-Dominanz also nicht die Verletzbarkeit Amerikas, sondern befördert sie. Den Amerikanern selbst aber vermittelt sie das Trugbild einer vitalen Großmacht. Viele verstehen nicht, dass Macht in der multikulturellen Welt neu formatiert wurde, dass die alten Chiffren sich nach neuen Algorithmen sortieren. Donald Trump ist der prominenteste Vertreter derer vom Stamm des Nichtverstehens. Seine Versprechen widersprechen sich, und die Tatsache, dass sich mit einer Hundertschaft von Widersprüchen Wahlkampf führen lässt, zeigt, wie groß die Überforderung der amerikanischen Gesellschaft und ihrer Eliten ist…

So bleibt einem Großteil der amerikanischen Wählerschaft verborgen, dass die USA nicht mehr einer anderen, vergleichbar großen und kräftigen Großmacht gegenüberstehen, sondern einer Vielzahl von asymmetrischen Gegnern. Der Militärapparat wird eben nicht wie in der Zeit des Ost-West-Konflikts durch einen anderen Militärapparat herausgefordert, sondern von Turnschuhterroristen unterlaufen. Amerikas Kultur ist weiter kommerziell erfolgreich, aber sie hat ihre Prägekraft verloren. Jeans, Rock’n’Roll und aggressiver Anti-Amerikanismus schließen sich nicht mehr aus. Der Dollar wird weiter geschätzt, Jeans, Rock’n’Roll und aggressiver Anti-Amerikanismus schließen sich nicht mehr aus. aber mit Euro, Yen und Renminbi sind Wettbewerber am Start, deren Ziel es ist, die Dollar-Hegemonie zu brechen. Nun ist es nicht so, dass gar keiner in Amerika das sieht oder spürt. Aber wer es sieht oder spürt, will darüber nicht vor Publikum sprechen, weil ein zur Religion gewordener Optimismus den öffentlichen Raum dominiert. Die gesammelten Widrigkeiten der Gegenwart – Asiens Aufstieg, Russlands Renaissance und der wachsende Einfluss des radikalen Islam – werden nicht verschwiegen, aber weggemurmelt. Realpolitik ist ein schmutziges Wort geworden.
http://www.gaborsteingart.com/wp-content/uploads/Weltbeben_Amerika_Leseprobe_D.pdf

Krieg zwischen USA und China „sehr wahrscheinlich“
01.09.2016
Ein Krieg zwischen den USA und China ist durchaus wahrscheinlich, wie die Zeitung „The Times“ unter Verweis auf einen neuen Bericht des US-amerikanischen Forschungsinstitutes RAND schreibt.

Die Entwicklungen der Technologien beider Länder haben laut den RAND-Analytikern ein Niveau erreicht, wo die Streitkräfte füreinander eine reale Bedrohung darstellen. Die unklaren Absichten beider Seiten könnten zu einem Krieg führen, der entweder „kurz und blutig“ oder aber sogar „lang und verheerend“ sein könne.

China hat erst unlängst eine erste Militärbasis außerhalb seines Territoriums eingerichtet, Cyberwaffen entwickelt und sogar einen Quantenkommunikations-Satelliten ins All geschickt, wie die Analytiker in ihrem Bericht schreiben.

Zudem habe sich die Situation im Südchinesischen und im Ostchinesischen Meer zugespitzt, sodass die Wahrscheinlichkeit einer verzerrten Einschätzung der Situation durch eine der beiden Seiten relativ hoch sei.

So könnte China zum Beispiel eine überspannte Ansicht über die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, sich für Japan und die Philippinen einzusetzen, haben. Zudem sei ungewiss, wie sich Peking verhalten würde, sollten die USA und Südkorea aus Angst eines Atomschlages gegen Seoul Nordkorea angreifen – selbst diese Situation könne man nicht ausschließen, so die Analytiker. Solche Kriege kämen zumeist deshalb zustande, weil die Staatschefs ihre Streitkräfte nicht vollständig kontrollieren würden oder aber eine verzerrte Vorstellung davon hätten, wie der potentielle Gegner die Wahrscheinlichkeit der Eskalation eines Konflikts einschätze. Die Forscher betonen jedoch, dass es derartige Kriege selten gebe.

Sollte es tatsächlich zu einem Krieg kommen, so bliebe er den Analytikern zufolge im Rahmen eines regionalen Konflikts und arte nicht in einen Atomkrieg aus. Gleichzeitig betonen sie, dass Peking in diesem Fall durchaus reale Siegeschancen habe, wenn man den sich verringernden Rückstand Chinas zu den USA hinsichtlich der nichtnuklearen Waffen berücksichtige.

China hatte außerdem zuvor erklärt, dass wegen der umstrittenen Territorialfrage im Südchinesischen Meer das Risiko einer Konfrontation mit den USA durchaus erhöht sei.

Die RAND Corporation („Research ANd Development“, deutsch: Forschung und Entwicklung) ist eine Denkfabrik in den USA, die unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges gegründet wurde, und sich nach eigenen Angaben „dem Gemeinwohl und der Sicherheit der Vereinigten Staaten“ widmet.

Mehr: https://de.sputniknews.com/politik/20160901312366261-usa-china-krieg-wahrscheinlich/

„China hat das Recht, militärisch stärker zu werden“
© REUTERS/ Damir Sagolj
17.05.2016

In einem Kommentar, den die chinesische Zeitung „Renmin Ribao“ in ihrer russischen Onlineausgabe veröffentlichte, heißt es: „In den Beziehungen zwischen den USA und China ist es schwer, den Nachhall der historischen Konflikte loszuwerden (…) Der jüngste Bericht über Chinas militärische Kapazitäten demonstriert den Pessimismus der US-Führung in Bezug auf das chinesisch-amerikanische Verhältnis.“

„Die USA sind China militärisch deutlich überlegen.

Das US-Verteidigungsministerium verbirgt praktisch nicht seine feindliche Haltung zur militärischen Entwicklung Chinas, will aber nicht, dass China irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen in diesem Zusammenhang trifft“, so die chinesische Kritik…

Als ihre wichtigste strategische Priorität betrachten die USA die Eindämmung der chinesischen Streitkräfte im Ost- und im Südchinesischen Meer sowie in der Formosastraße…

„Die USA begehen einen Fehler, indem sie den Aufbau der nationalen Verteidigung in China als Bedrohung betrachten. (…) China hat das Recht, seine militärische Stärke zu erhöhen, um seine Staatsinteressen zu schützen.

In Sachen Marine besteht Chinas Ziel darin, militärische Kapazitäten zu entwickeln, die bei Bedarf fähig wären, einer militärischen Einmischung der USA, wie intensiv sie auch sein mag, zu widerstehen.“

…„Die USA erheben unbegründete Vorwürfe in Bezug auf das gerechte und legitime Vorgehen Chinas, während sie selbst ihre militärischen Aktivitäten an der vorderen Linie intensivieren sowie Kriegsschiffe und Flugzeuge oft entsenden, um Stärke im Südchinesischen Meer zu demonstrieren“, so Yang.
Mehr: https://de.sputniknews.com/politik/20160517309900075-china-recht-militaerisch-staerker/

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