Die 10 wichtigsten WikiLeaks-Enthüllungen – seit Assange festsitzt

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WikiLeaks-Gründer Julian Assange

© REUTERS/ Axel Schmidt
PANORAMA

12:06 17.10.2016(aktualisiert 12:34 17.10.2016) Zum Kurzlink
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Seit dem 19. Juni 2012 lebt WikiLeaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London im Asyl. Trotzdem setzen er und seine Whistleblower-Plattform ihre Arbeit fort. Ein Best-of-Überblick von Sputnik.

Vor zehn Jahren, am 4. Oktober 2006, gründete der australische Journalist Assange die Webseite WikiLeaks. Binnen weniger Monate hat sie sich zur weltweit führenden Plattform zur Veröffentlichung von Dokumenten entwickelt, die unrechte Machenschaften von Regierungen und Politikern entlarven sollen. Hier sind die zehn bedeutendsten Enthüllungen von WikiLeaks, seit der Gründer im Exil lebt.

1. The Global Intelligence Files

CIA-Logo
© AP PHOTO/ CAROLYN KASTER
CIA-Logo

 

Im Februar 2012 begann WikiLeaks mit der Veröffentlichung von internen E-Mails des US-amerikanischen Informationsdienstes Stratfor, einem Privatunternehmen, das aufgrund seiner nachrichtendienstlichen Züge und seines Einflusses den Ruf einer Privat- oder Schatten-CIA genießt.

Damals behauptete die Enthüllungsplattform, im Besitz von fünf Millionen E-Mails von Juli 2004 und Dezember 2011 zu sein. Am ersten Tag wurden 214 davon veröffentlicht. Ziel dabei war es, das Informantennetz des Unternehmens zu enttarnen. Außerdem wollte WikiLeaks zeigen, dass Stratfor eine besondere Beziehung zu den Nachrichtendiensten unterhalte.

2. The Syria Files

Syriens Staatschef Baschar al-Assad
© AP PHOTO/ SANA
Syriens Staatschef Baschar al-Assad

 

Im Juli 2012 wurden von WikiLeaks die sogenannten syrischen Daten veröffentlicht. Unter den fast zweieinhalb Millionen Dokumenten waren Mails syrischer Politiker und weiterer Persönlichkeiten sowie syrischer Ministerien, Geheimdiensten und Unternehmen. Das Leben in Syrien unter Präsident Baschar al-Assad sollte hier realistisch dargestellt werden. Als Medienpartner gab WikiLeaks unter anderem die italienische Zeitschrift L´espresso und den Norddeutschen Rundfunk (NDR) an.

3. The Detainee Policies

Gefangener von Guantanamo
© REUTERS/ MICHELLE SHEPHARD/POOL
Gefangener von Guantanamo

Unter dieser Bezeichnung veröffentlichte WikiLeaks ab Ende Oktober 2012 mehr als 100 Dokumente über die Behandlung von Gefangenen in US-Militärgefängnissen und Gefangenenlagern. Beim ersten Text ging es dabei um Standardvorgehensweisen, die 2002 für Gefangene des Camp Delta des Anti-Terror-Lagers Guantanamo Bay erlassen wurden.

Die Dokumente „zeigen die Exzesse der frühen Tage des Krieges gegen einen ‚unbekannten‘ Feind, wie diese Politik reifte und sich entwickelte und schließlich in den Ausnahmezustand abrutschte, in dem sich die Vereinigten Staaten nun, ein Jahrzehnt später, befinden“, schrieb damals WikiLeaks-Gründer Assange in einem Pressestatement.

4. The Bilderberg Reports

Protest gegen Bilderberger-Konferenz
© AP PHOTO/
Protest gegen Bilderberger-Konferenz

Im Mai 2014 wurden auf der Enthüllungsplattform insgesamt 244 ältere Dokumente der Bilderberg-Konferenzen veröffentlicht. Damit wurde zum ersten Mal ein Einblick in diese Treffen möglich, die eigentlich immer unter strengster Geheimhaltung stattfinden. Neben Teilnehmerlisten veröffentlichte WikiLeaks auch sämtliche Protokolle, um deutlich zu machen, wie einflussreich diese Gruppe ist.

Die Bilderberg-Konferenzen sind informelle Treffen von einflussreichen Personen aus Wirtschaft, Politik, Militär, Medien, Hochschulen, Hochadel und Geheimdiensten, bei denen aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen erörtert werden. Um die Konferenzen ranken sich verschiedene Verschwörungstheorien.

5. Protokolle des NSA-Ausschusses

Hacker
© REUTERS/ KACPER PEMPEL/FILES

Am 12. Mai 2015 veröffentlichte WikiLeaks mehr als tausend Seiten Protokolle aus zehn Monaten NSA-Untersuchungsausschuss im deutschen Bundestag. In den Dokumenten waren Mitschriften der Zeugenbefragungen des Ausschusses von Mai 2014 bis Februar 2015 enthalten.

Die Sitzungen des NSA-Untersuchungsausschusses, der seit 2013 die globale Spähaffäre aufklären sollte, waren in öffentliche und nicht öffentliche Teile aufgeteilt. Bei der Enthüllung der Protokolle wurden auch nicht öffentliche Teile publik gemacht.6. Geheimdokumente saudi-arabischer Botschaften

Seit Juni 2015 wurden Geheimdokumente und Daten saudi-arabischer Botschaften veröffentlicht, was das Königreich in eine brenzlige Lage brachte. So wurde bekannt, wie ranghohe saudische Beamte erörterten, wie man den Iran untergraben könnte. Andere Dokumente enthüllten, dass Saudi-Arabien sein Image im Westen aufpolieren wollte, indem es deutschen Journalisten ein Grundgehalt von 7.400 Euro im Monat für positive Artikel anbot. Außerdem wurde bekannt, dass eine saudische Prinzessin einem Genfer Limousinen-Unternehmen 1,5 Millionen Schweizer Franken schuldete und trotzdem das Land verließ.

7. Weitere Enthüllungen zur NSA-Spähaffäre

Im Juli 2015 veröffentlichte die Enthüllungsplattform geheime Dokumente, die zeigten, dass nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern auch Minister, Staatssekretäre und Spitzenbeamte belauscht wurden. Außerdem waren die EZB, das Wirtschaftsministerium, das Bundesfinanzministerium, das Landwirtschaftsministerium und andere Ämter im Visier der NSA. Unter anderem wurde festgestellt, dass der amerikanische Geheimdienst wenigstens seit 1999 die Bundesregierung systematisch ausspähte. Insgesamt wurden 69 Telefonanschlüsse belauscht.

8. IWF-Verhandlungen zu Griechenland

IWF-Logo
© REUTERS/ KIM KYUNG-HOON
IWF-Logo

Anfang April 2016 wurde das Protokoll eines Telefongesprächs zwischen IWF-Europa-Chef Poul Thomsen, der IWF-Repräsentantin in Griechenland, Delia Velculescu, und der Haushaltsexpertin Iva Petrova veröffentlicht, welches zeigte, dass der IWF offenbar erwog, aus dem Rettungsprogramm auszusteigen. Dabei stimmte Berlin 2015 einem Hilfspaket nur unter der Bedingung zu, dass der IWF sich beteilige. Das Wikileaks-Dokument offenbarte das Misstrauen des Geldinstituts gegenüber Griechenland und den europäischen Geldgebern.

„Wir wissen, das funktioniert nicht, Poul, weil diese Leute einer Sache zustimmen, und am nächsten Tag nehmen sie das wieder zurück“, sagte Velculescu zu einer möglichen Einigung über das weitere Vorgehen.

9. AKP-Mails

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan
© REUTERS/ BRENDAN MCDERMID
Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan

Am 19. Juli 2016, also vier Tage nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei, veröffentlichte WikiLeaks rund 300.000 E-Mails der regierenden AKP-Partei. Dabei bezog sich der Inhalt laut der Enthüllungsplattform meist nicht auf Interna der Regierung, sondern auf „Beziehungen mit der Welt“, also außenpolitische Themen. Nach der Veröffentlichung wurde der Zugang zur WikiLeaks-Website in der Türkei gesperrt.

10. Mails von Clintons Wahlkampfstab

Im Oktober 2016 begann WikiLeaks mit der Veröffentlichung der E-Mail-Korrespondenz des Wahlkampfstabes der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Dabei handelte es sich um mehr als 19.000 Mails, die unter anderem zeigen, dass die Kandidatin vom Nationalen Komitee der Demokraten (DNC) gegenüber ihrem damaligen Konkurrenten Bernie Sanders bevorzugt behandelt worden sei.

Außerdem offenbaren die enthüllten Schreiben Clintons Reden vor Mitarbeitern verschiedener Banken und Unternehmen, aus denen hervorgeht, dass die Politikerin offenbar ihre Überzeugung nach zwei Standpunkten trennte: einen privaten und einen offiziellen.

Vorgeschichte:

Assange selbst hält sich zurzeit im Exil in der ecuadorianischen Botschaft in London auf. Der Journalist war im Dezember 2010 in London auf Antrag der schwedischen Rechtsschutzbehörden festgenommen worden, die seine Auslieferung nach Schweden forderten. Im Sommer desselben Jahres wurden wegen Klagen zweier Frauen Ermittlungen wegen sexueller Belästigung gegen Assange eingeleitet. Aus Angst vor einer Auslieferung an die USA hatte er die Behörden Ecuadors um politisches Asyl ersucht. Laut Assange drohen ihm in den Vereinigten Staaten bis zu 35 Jahre Haft oder die Todesstrafe für die Veröffentlichung geheimer Staatsdepeschen

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