„Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft …

Bremen im Januar 2007 vor der Krise

11 – Gobalisierung zähmen

„Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird die Binnennachfrage und der Konsum in den USA gedämpft, die Zinsen- und die Sparquote erhöht, die Liquidität vermindert und die US-Staatsausgaben im sozialen und auch im militärischen Bereich gesenkt werden müssen.“

195 – Gobalisierung zähmen

In den kommenden Jahren…

„Es darf weiterhin vermutet werden, dass die US-amerikanische Gesellschaft in den kommenden Jahre damit beschäftigt sein wird, sich von der zu erwartenden Finanz- und Wirtschaftskrise zu erholen, sich zu konsolidieren, angehäufte Schulden zurückzuzahlen und trotz wahrscheinlich sinkender Einkommen und Steuereinnahmen die auflaufenden Zinsen zu bedienen.“

81 – Gobalisierung zähmen

„Der Treibstoff“ des „künstlichen Konsum“

„Nach dem Zusammenbruch der „New-Economy“ in den USA waren die Zinssenkungen politisch gewollt und das wichtigste finanzpolitische Instrument der US-Zentralbank und des US-Finanzministeriums zur Stabilisierung der Wirtschaft.

>Dieses ökonomische Stimulans wird in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen, denn es hat Spekulationsblasen erzeugte. Das „billige“ Zentralbankgeld der US-amerikanischen Notenbank wird in Zukunft bei wachsenden Schuldenbergen knapper gehalten werden müssen. Bis jetzt war es ein wichtiger, wenn nicht sogar „der Treibstoff“ des „künstlichen Konsum“ gesteuerten Wirtschaftsaufschwungs in den USA.“

79 – Gobalisierung zähmen

Die „Politik des billigen Geldes“

„Mit ihrer „Politik des billigen Geldes“ gelang es der US-Notenbank FED, die sich in privaten Händen befindet und berechtigt ist, durch den Druck grüner Dollars die Geldmenge zu vermehren, die USA relativ rasch aus der Wirtschaftskrise herauszuführen und eine lang anhaltende Rezession zu vermeiden, während sie gleichzeitig das Wachstum globaler und hausgemachter interner Ungleichgewichte gefördert hat.

>Ein großer Teil des Geldes, das die Notenbank in das Wirtschaftssystem gepumpt hat, ist nicht in den Bau neuer Fabriken und in neue Arbeitsplätze geflossen. Es wird von Spekulanten und kurzsichtige Finanzinvestoren rund um den Globus gejagt, immer auf der Suche nach einer gewinnträchtigen Anlage. Je mehr liquides Geld im Umlauf ist, desto enger werden die Anlagemöglichkeiten und Gewinnchancen und desto eher sind Kapitalanleger bereit, auch große Risiken einzugehen.“

Gobalisierung zähmen

Amerikas Wirtschaft ist süchtig nach Liquidität.

Leider ist das Wirtschaftswachstum auf angloamerikanischer Seite nicht solide. Es ist kreditfinanziert und in vielen Bereichen völlig überzeichnet und blasenartig überzogen. 
Übertreibungen sind in den USA entstanden an den Immobilienmärkten, bei der Kreditaufnahme der Verbraucher und bei der Kreditvergabe der Banken, bei den kreditfinanzierten Fusionen und Beteiligungsgeschäften oder auch bei den kreditfinanzierten Übernahmen ganzer Unternehmen durch Private Equity. Immer macht irgendjemand in den USA zu viele Schulden. Amerikas Wirtschaft ist süchtig nach Liquidität. Nur damit lassen sich Finanzgeschäfte machen. Die Wall-Street triumphiert in den USA. Die USA haben nicht nur im eigenen Lande große Schulden angehäuft, sondern auch im globalen Wirtschafts- und Finanzsystem. Viele Schwellenländer haben sich zu Gläubigerstaaten der USA entwickelt und legen ihre Reserven in US-Dollar an. Solange der Dollar stabil ist, sind die Risiken gering.

>Irgendwann einmal werden die Gläubiger ihre Kredite zurückfordern, spätestens dann, wenn die Gefahr besteht, daß die Kredite Not leidend werden und die Rückzahlung nicht mehr gesichert ist. Dann kann es zu Panikreaktionen und Herdenverhalten kommen, was auf den Finanzmärkten mit schöner Regelmäßigkeit vorkommt.

Gobalisierung zähmen

Die Schwellenländer stehen heute viel besser da.

Die Asienkrise begann 1997, ausgehend von Thailand, in Ostasien zu wüten und erfaßte das unter Jelzin radikal neoliberal transformierte Rußland im Jahre 1998. Ende 2001 folgte die Zahlungsunfähigkeit Argentiniens, das sich in den Jahren zuvor zu einem der neoliberalsten Vorzeigeschüler gemausert hatte. Ein Jahr später hatte es Brasilien erwischt, das nur mit Mühe und voller Schulden am Staatskonkurs vorbei geschlitterte. Zu allem Überfluß verschlimmerte der IWF und die Weltbank die weltweite Krise, weil sie sich von den Industriestaaten mit deren Übermacht bei den Quoten instrumentalisieren ließen und zuallererst die Finanzinteressen der privaten Gläubiger aus den reichen Geberländern schützten, um für sie zu retten, was noch zu retten war. Den tief in der Krise steckenden Ländern wurden Kredite gewährt, die die Bedienung der Forderungen der ausländischen Gläubiger sicherstellen sollten und nicht den Wiederaufbau der am Boden liegenden Volkswirtschaften. 
Wie die meisten Schwellenländer stehen die südamerikanischen Länder heute viel besser da. In den 90er Jahren hatten auf Druck der reichen Industriestaaten im Schlepptau der USA viele Regionen in der Welt neoliberale Glaubensbekenntnisse befolgt und zu guter Letzt große Leistungsbilanzdefizite eingefahren. Enttäuscht wandten sich viele von ihnen nach den bitteren Erfahrungen der Asien- und Lateinamerikakrisen ab von den neoliberalen Wirtschaftsprinzipien angloamerikanischer Prägung.

>Erste Erfolge zeigen sich heute, wenn sie Überschüsse erwirtschaften. Der aggregierte Leistungsbilanzüberschuss aller Schwellenländer wird heute auf über 500 Milliarden Dollar geschätzt. Dazu kommen Währungsreserven in Höhe von drei Billionen US-Dollar. 
Vor sechs Jahren während der Asien- und Lateinamerikakrise war das noch anders. Damals waren die Währungsreserven sehr schnell aufgebraucht, als ausländische Banken und private Finanzinvestoren ihre kurzfristigen Kredite panikartig und gewissermaßen über Nacht zurückforderten.

7 – Gobalisierung zähmen

Der Aufbau von Währungsreserven

„Ein weiterer nahe liegender und wahrscheinlich der eigentliche Zweck des derzeitigen Währungsregimes der Schwellenländer ist es, die seit Jahren laufende Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft mit den „Wachstumslokomotiven“ China und USA in verteilten Rollen aufrechtzuerhalten. Das ist die Konstellation einer globalen Arbeitsteilung, die bisher ganz wesentlich zum weltweiten Wachstum, insbesondere in den Schwellenländern beigetragen hat.

>Der Aufbau von Währungsreserven hält diese Konstellation des Wachstums der Weltwirtschaft am Laufen. Der Dollar wird dadurch gestützt.“

196 – Globalisierung zähmen

Die Versuchung, sich durch Abwertung zu entschulden.

„Der gesamte Wert der Dollar-Schulden der USA und die Last der Verbindlichkeiten wird in dem Maße geringer werden, in dem der Wert des US-Dollars im Verhältnis zu anderen Währungen sinken wird, z. B. zum japanischen Jen, zu Währungen aus dem an Erdöl reichen Nahen Osten oder zu asiatischen Währungen.

>Die USA könnten der Versuchung erliegen, sich durch Abwertung zu entschulden. Das wiederum wäre vermutlich der Anfang vom Ende der Rolle des Dollars als Leitwährung in der Welt und der Anfang vom Ende der amerikanischen Vorherrschaft im Weltfinanzwesen und im Welthandelssystem.“


Gobalisierung zähmen

Der Preis, den China zu zahlen hätte…

Wenn der US-Dollar in Zukunft weiter an Wert verlieren sollte, was schon heute viele Experten und Wirtschaftswissenschaftler für unausweichlich halten, dann sinkt auch der Wert der chinesischen Dollarreserven und der chinesischen Sparguthaben.

>Das wäre dann wohl der Preis, den China für sein durch den amerikanischen Konsum getriebenes Wachstum, inklusive mitgeliefertes amerikanisches Know-How, zu zahlen hätte und dazu wohl auch bereit ist.

204 – Gobalisierung zähmen

Die Verschiebung der Kräfteverhältnisse

„Aufgrund des dynamischen und wirtschaftlichen Wachstums und der günstigen Rahmenbedingungen für Investitionen wird sich der Schwerpunkt der Weltwirtschaft nach Ostasien und in den asiatischen Teil der pazifischen Region verlagern.

>Eine Verschiebung der politischen Kräfteverhältnissen zugunsten der Schwellen- und Entwicklungsländer deutet sich schon heute an.“

Gobalisierung zähmen

Boom noch für mindestens 10 Jahre

Es scheint, als habe Chinas Industrialisierung mit einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen gerade erst so richtig begonnen… Allein China und Indien haben zusammen eine Bevölkerung von über zwei Milliarden Menschen. Das ist ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung. Das Potential ist riesig. Die Chancen der Globalisierung mit Hochtechnologie, Containerschifffahrt, Datenautobahnen, Internet und weltweitem Austausch von Gütern und Dienstleistungen werden schon heute von vielen Schwellenländern genutzt…

Die meisten Experten davon aus, dass der gegenwärtige Boom noch für mindestens 10 Jahre anhält, denn mit der Industrialisierung Indiens und Chinas sind zwei riesige neue Märkte entstanden, die mehr nachfragen, als derzeit geliefert werden kann… Für die Entwicklungsländer ist der Preisanstieg am Rohstoff- und Energiemarkt ein Segen und von überragender Bedeutung…

>Die höheren Einkommen bieten den Entwicklungsländern, vor allem auch im bitterarmen Afrika, die Chance, am weltweiten Wirtschaftswachstum und an der Zunahme des globalen Wohlstands teilzunehmen, wenn dieser auch oft ungleichmäßig und ungerecht verteilt ist.

19 – Gobalisierung zähmen

Globale Direktinvestitionen

„Während die Direktinvestitionen in den Industrieländern sich 2004 um 14 Prozent auf 380 Milliarden Dollar verminderten, gab es in den Schwellen- und Entwicklungsländern einen Zuwachs um 40 Prozent auf 223 Milliarden Dollar. Mit diesen Zahlen umschreibt die offizielle Statistik den Auszug des heimischen privaten Kapitals unter Mitnahme von Arbeitsplätzen aus den entwickelten Heimatländern in Niedriglohnländer.“

16 – Gobalisierung zähmen

Die sogenannten „BRIC“- Länder

„Die Schwellenländer errichten eine neue Form von globaler Arbeitsteilung mit China als Werksbank, Indien als Hightech-Schmiede, Russland als Energie- und Brasilien als Rohstofflieferant, um es anhand eines grob vereinfachten Bildes dieser sogenannten „BRIC“- Länder deutlich zu machen.

>Die Märkte sind riesig, Produktivkräfte und Technologien stehen zur Verfügung und es ist zu erwarten, dass das weltweite Wachstum anhalten wird, auch wenn sich der Binnenmarkt in den USA abkühlen sollte.“

Gobalisierung zähmen

Angebot und Nachfrage im Welthandel

Die Nachfrage nach billigen Arbeitskräften, nach einem günstigen Produktionsumfeld, nach Absatzmärkten, Energie und Rohstoffen ist  groß.

>Als Gegenleistung für die hohen Gewinne und für die Aussicht auf künftig noch höhere, erwarten viele Länder Kapital- und Technologietransfer und nutzen dabei geschickt die Konkurrenz zwischen den Konzernen für ihre Zwecke aus. Insbesondere die asiatischen Länder locken Investoren an aus dem Ausland, die Technologie mitbringen. Die wiederum nutzen ihrerseits die billigen Arbeitskräfte und kostengünstigen Produktionsbedingungen in Asien, um preiswert für den Weltmarkt und zunehmend auch für die Binnenmärkte zu produzieren, die sich jetzt in den Niedriglohnländern immer mehr entwickeln.

>So entstehen in Asien Arbeitsplätze und eine industrielle Infrastruktur, begleitet von einem Technologietransfer, der dem langfristigen Aufbau dieser Volkswirtschaften dient.

Gobalisierung zähmen

Direktinvestitionen und Technologie-Transfer

Direktinvestitionen bedeuten vor allem auch Technologie-Transfer, naturgemäß begleitet von einer Hebung des Bildungsniveaus in den Niedriglohnländern. Steigende Produktivität steigert den Wert der Ware Arbeitskraft und führt zu höheren Löhnen. Die Kaufkraft steigt. Es entwickelt sich ein Binnenmarkt, der neue Gewinne und größere Wettbewerbsfähigkeit für die globalen Konzerne verspricht. 
Irgendwann in fernerer Zukunft werden die Märkte gesättigt sein und irgendwann in fernerer Zukunft wird sich das Lohnniveau in der Welt überall tendenziell und vielleicht weitgehend angleichen. Dann erst hat das Kapital hat keinen gewinnträchtigen Grund mehr auszuwandern und das ökonomische Pendel bewegt sich ganz langsam zurück und kommt irgendwo in der Mitte zur Ruhe.

>Vielleicht kommt das umtriebige Kapital in fernerer Zukunft erst dann zur Ruhe, wenn alle Menschen überall auf der Erde in Wohlstand leben und es seine Bestimmung erfüllt hat und überflüssig geworden ist.


Gobalisierung zähmen

Neue Regeln und verbindliche Normen

Es läßt sich in weiten Teilen der Weltbevölkerung der gemeinsame Wille feststellen, dem entfesselten und sozial kalten Kapitalismus neoliberaler Prägung wieder Sinn und Werte zu vermitteln, die sich mehr an den Interessen der einzelnen Länder und ihrer Bevölkerung orientieren und weniger an den entfesselten Kräften eines liberalisierten Marktes mit einer einzigen Triebfeder des Profitinteresses des Einzelnen… Die Möglichkeiten der Informationsverarbeitung und Informationsübermittlung, von Telekommunikation und Internet, Kapitaltransfer via Datenhighway, von Containerschifffahrt und Luftfrachttransport haben einen Stand erreicht, bei dem alles immer schneller, perfekter und kostengünstiger weltweit als Ware gehandelt werden kann, einschließlich der Ware Arbeitskraft. Heute erscheint die Welt, von dieser Warte aus gesehen, ein bisschen wie ein globales Dorf. Man würde sich wünschen, daß das allgemeine Lebensniveau der Menschen in dieser enger werdenden Welt weiter gehoben und die weltweite Armut in naher Zukunft sicher und nachhaltig beseitigt werden kann.

>Vielleicht müssen neue Regeln und Normen zwischen den Ländern in bestehenden multilateralen Institutionen, wie dem IWF oder der WTO, ausgehandelt werden, deren Ziel eben nicht vor allem die hemmungslose globale Liberalisierung und zügellose Entfesselung des privaten liquiden Kapitals auf der weltweiten Jagd nach Profiten ist.

GOBALISIERUNG ZÄHMEN

Dann hätte die Globalisierung Früchte getragen…

Multilateral konsensfähig, weil wahrscheinlich vom derzeitigen Stand der ökonomischen Entwicklung vorgezeichnet, scheint zu sein, dass die USA ihre Ausgaben vermindern und ihre Sparquote erhöhen müsse… Auf der anderen Seite werden vor allem die Schwellenländer Ostasiens aufgefordert, ihren Teil zur Reduzierung der globalen Ungleichgewichte beizutragen, indem sie weniger für den Export, dafür mehr für den eigenen Binnenmarkt produzieren und ihre hohen Sparquoten senken, um die Binnennachfrage entsprechend anzuregen… Nötig ist die Umleitung des Exports in den Binnenmarkt, die Anhebung der Kaufkraft der heimischen Verbraucher, der Auf- und Ausbau eines sozialen Netzes und der Altersvorsorge, um so die zu hohe Sparquote zu senken… 
>Sollte das die Richtung sein, in die die Weltwirtschaft und die weltweite Arbeitsteilung durch die von der Globalisierung hervorgebrachten Widersprüche getrieben wird, dann hätte die Globalisierung Früchte getragen, die es jetzt zu ernten gilt.

 

 

128 – Gobalisierung zähmen

„Die Stimulierung der Binnennachfrage

und damit die Bekämpfung der Armut einer Hunderte von Millionen zählenden Bevölkerung ist heute in China der Weg, um aus der Exportlastigkeit des wirtschaftlichen Wachstums und um aus der Abhängigkeit der chinesischen Industrie von dem amerikanischen Markt herauszukommen.

>Das scheint der einzig gangbare chinesische Beitrag zum Abbau der globalen Ungleichgewichte zu sein.“

 

 

136 – Gobalisierung zähmen

Fortschritte bei der Erreichung der Millenniumziele

„In ihrem Jahresbericht 2006 schreibt die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung ( Unctad ): „Seit 2002 hat die Weltwirtschaft einen starken positiven Impuls auf das Wachstum und auf die Verminderung der Armut in Entwicklungsländern.

>Damit gab es Fortschritte bei der Erreichung der Millenniumziele der UNO.“

 

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