Amerikas Schwäche im globalen Wettbewerb mit China

23.January 2017

von Josef Braml

Der härter werdende Wettbewerb zwischen der angeschlagenen Weltmacht USA und der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China wird auch Europa und insbesondere seine exportorientierte Führungsnation Deutschland beeinträchtigen…

Während Chinas Staatsführer Xi Jinping sich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in internationalistischer Rhetorik übt, für offene Märkte wirbt und die Globalisierung verteidigt, redet der neue US-Präsident dem Protektionismus das Wort. In seiner Inaugurationsrede polterte Donald Trump wie schon im Wahlkampf gegen den Freihandel und drohte mit Zöllen.

Der „Washington Konsensus“ – sprich Laissez-faire-Politik, Deregulierung und Freihandel – ist mittlerweile in den USA selbst heftig umstritten.Vor allem die    Ideologie freier Märkte hat Gegenbewegungen in Kraft gesetzt, die Nationalismus zur Folge haben. Die Entfremdung von der Politik bot eine Chance für …Trump, der die tiefe Abneigung, vor allem vieler Nicht-Wähler, gegen das „Establishment“ erkannte und sie bei den Präsidentschaftswahlen weiter anfeuerte. Er präsentierte sich als Außenseiter, der dank seines privaten Reichtums unabhängig sei und deshalb Washingtons „Sumpf austrocknen“ und Politik für alle Amerikaner und nicht nur für Betuchte betreiben könne…

An seine „Bewegung“ gerichtet verurteilte Trump die um ihn versammelten Amts- und Würdenträger der Nation als selbstbezogene Klasse, die es sich auf Kosten der Bürger gut gehen lasse. Insbesondere die Politiker in Washington hätten es versäumt, die Interessen der Amerikaner zu schützen – vor den „Verwüstungen, die andere Länder in den USA anrichten“, indem sie amerikanische „Firmen stehlen“ und „Arbeitsplätze vernichten“. Gemäß seinem Credo „America First“ verkündete Trump zwei einfache Regeln, um Amerika wieder zu Wohlstand und alter Stärke zu führen: „Nur amerikanische Güter kaufen und amerikanische Arbeiter einstellen“…

Während die USA den Rückzug ins nationalistische Schneckenhaus antreten, scheut China mit seiner umfassenden Seidenstraßeninitiative („One Belt, One Road“) keine diplomatischen Initiativen und wirtschaftlichen Investitionen, um den Welthandel in seinem Sinne neu zu ordnen.

Das ist aus Sicht der Geostrategen in Washington ein äußerst bedrohliches Szenario. Jene Köpfe, die nicht…  nur den schnellen (politischen) Profit suchen, sondern umfassend und strategisch denken, sehen eine größere Gefahr: Wenn China öffentliche Güter wie Infrastruktur, Handels- und Informationswege zur Verfügung stellt, baut es langsam aber sicher seine Vormachtstellung aus. Indem es als kluge Macht seine nationalen Interessen breiter definiert, anderen erlaubt, davon ebenso zu profitieren, kann es Führung beanspruchen und Gefolgschaft erwarten. Ein Beleg dafür ist Pekings Erfolg, trotz großem Gegendruck der USA, europäische Partner wie das Vereinigte Königreich, Frankreich und Deutschland für seine Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) gewonnen zu haben.

Da der amerikanische Kongress über fünf Jahre internationale Vereinbarungen blockierte, China mehr Mitsprache in den bestehenden, von den USA dominierten Bretton-Woods-Institutionen (Weltbank und Internationaler Währungsfonds) einzuräumen, baut China nunmehr von ihm beeinflusste Alternativstrukturen auf.

Bereits heute stellt die von Peking weltweit orchestrierte Entwicklungshilfe die Bemühungen von Weltbank und IWF in den Schatten.

Während dem amerikanischen Staat Geld fehlt, um selbst im eigenen Land die maroden Straßen, Brücken und Flughäfen zu erneuern, finanziert China weltweit Infrastruktur, entwickelt damit neue Absatzmärkte und kann sich so vom Handelspartner USA emanzipieren – dem es bislang in großen Mengen das Geld geliehen hatte, damit dieser chinesische Produkte kaufen konnte.

Wenn China den USA nicht mehr seine billigen Güter und Währungsreserven zur Verfügung stellt, dann betrifft das nicht nur US-Bürger, die aus ihrer Wohlstandsillusion gerissen werden, sondern auch den amerikanischen Staat, der ebenso schon seit Längerem über seine Verhältnisse lebt. China ist nicht mehr bereit, in dem Maße wie bisher mit seinen Devisenreserven den US-Staatshaushalt zu finanzieren, der zu einem Großteil dafür verwendet wird, die Weltmacht militärisch und sicherheitsdienstlich gegen China aufzurüsten. Diese Veränderungen alarmieren die Militärindustrie ebenso wie die Wall Street…

General Jim Mattis, der vor seinem Einsatz als Verteidigungsminister in der Trump-Regierung Ideen in der Hoover Institution schmiedete, mahnen zu einer neuen Grand Strategy… Damit solle auf jeden Fall verhindert werden, dass ein möglicher Rivale den USA die See- oder Lufthoheit im eurasischen Raum – die Landmasse der beiden Kontinente Europa und Asien, dem bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich interessantesten Gebiet dieser Erde – streitig macht und wirtschaftliche Aktivitäten der USA unterbindet oder ihnen den Zugang zu Ressourcen verwehrt… Die Analyse des Congressional Research Service, des überparteilichen wissenschaftlichen Dienstes des Kongresses, besagt, dass die Militäroperationen und diplomatischen Aktivitäten der USA in den vergangenen Dekaden genau dieses zentrale Ziel verfolgt hätten.

Anders als sein Amtsvorgänger Obama, der seine „Hinwendung nach Asien“, die Eindämmung Chinas mit einer Transpazifischen Partnerschaftsinitiative (TPP) handelspolitisch im Verbund mit alliierten Ländern forcieren wollte, setzt Trump offensichtlich allein auf die Wirtschaftsstärke seiner Nation und nimmt dabei nicht nur einen Handelskrieg mit China, sondern auch Verwerfungen mit Amerikas Alliierten in Kauf…

Deutschlands Verantwortliche in Politik und Wirtschaft sollten sich Gedanken machen, wie diese absehbare Konfrontation zwischen China und den USA abgemildert werden kann. Denn es ist nicht im Interesse einer Handelsnation, die umfangreiche Wirtschafts-, Handels- und Währungsbeziehungen mit beiden Ländern unterhält, zwischen die Fronten dieser Militärmächte zu geraten.

In der Rangfolge der wichtigsten Handelspartner im Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland haben die USA wieder die Spitzenposition eingenommen. Während die deutschen Handelsbeziehungen mit China mehr oder weniger ausgeglichen sind, konnte Deutschland mehr in die USA exportieren als es aus Übersee importierte und einen Außenhandelsüberschuss von 53,5 Milliarden Euro erwirtschaften…

Deutsche Politiker und Unternehmer sollten umso mehr auf der Hut sein, weil der neue Amtsinhaber im Weißen Haus ohnehin der Ansicht ist, dass Deutschland als Führungsmacht Europa nur dazu missbrauche, um seine eigenen Interessen durchzusetzen, und die Europäische Union nur geschaffen worden sei, um den USA wirtschaftlich zu schaden… auf dem G20-Gipfel in Südkorea im November 2010 scheiterten die USA mit ihrem Vorstoß, exportlastige Volkswirtschaften wie China und Deutschland unter Druck zu setzen und Begrenzungen der Leistungsbilanzüberschüsse (auf 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) festzulegen…

Deutsche Investoren und Politiker sollten sich darauf einstellen, dass die globalen Ungleichgewichte durch Trumps grandioses Wirtschaftsprogramm weiter verschärft werden. Erhebliche Ausgaben für Militär und Infrastrukturmaßnahmen, die US-Präsident Trump seinen fiskalkonservativen „Parteifreunden“ im Kongress durch umfangreiche Steuererleichterungen im politischen Kuhhandel verkaufen will, werden die Staatsverschuldung letztendlich erhöhen… Erschwerend kommt noch hinzu, dass die amerikanische Gesamtverschuldung schon jetzt aus dem Ruder läuft. Sie hat sich seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/08 auf derzeit 19 Billionen Dollar verdoppelt (die Verschuldung der Einzelstaaten und Kommunen noch nicht mitgerechnet). Allein die auf den Finanzmärkten durch Staatsanleihen finanzierte Staatsverschuldung des Bundes (debt held by the public) beläuft sich heute schon auf drei Viertel (74 Prozent) der Wirtschaftsleistung (BIP). Im historischen Vergleich – etwa zum Durchschnitt (von 39 Prozent) der vergangenen 50 Jahre – ist sie ohnehin schon besorgniserregend…

Amerikas Verschuldung ist bislang kein größeres Problem, solange das Ausland bereit ist, den USA Kredite zu geben. Allen voran finanzieren China und Japan mit jeweils 1,2 Billionen Dollar, und nicht zuletzt auch eine Reihe europäischer Länder den amerikanischen Traum vom unbegrenzten Konsum auf Pump und erwerben amerikanische Staatsanleihen. Doch diese Fremdfinanzierung der Schuldenlast der Weltmacht würde ernsthaft eingeschränkt, sollte Trump seine handelspolitischen Ideen, insbesondere seine protektionistische Wahlkampfansage, in die Tat umsetzen. Diesen Umstand könnten deutsche und europäische Entscheidungsträger in Verhandlungen mit den USA erfolgreich einsetzen.

https://dgap.org/de/think-tank/publikationen/dgapstandpunkt/amerikas-schwaeche-im-globalen-wettbewerb-mit-china

 

 

Goldman Sachs Economists Are Starting to Worry About President Trump

by Julie Verhage

February 6, 2017

 

Just a few weeks ago, Wall Street analysts were busy boosting their economic forecasts on the expectation that President Trump would implement sweeping corporate-tax reform, a rollback of regulations, and new fiscal stimulus. Two weeks into his term and the president has been focused primarily on immigration and trade, causing a reevaluation among analysts at some banks that harks back to pre-election concerns about Trump’s uncertain effect on markets and U.S. economic growth.

 

„Following the election, the positive shift in sentiment among investors, business, and consumers suggested that the probability of tax cuts and easier regulation was seen to be higher than the probability of meaningful restrictions to trade and immigration,“ Goldman Sachs Group Inc. economists led by Alec Phillips wrote in note published late last week. „One month into the year, the balance of risks is somewhat less positive in our view.“

 

Goldman’s Phillips cites three key reasons for the more cautious tone.

 

  1. Obamacare struggle is a sign of things to come

Republicans‘ uphill efforts when it comes to replacing the Affordable Care Act may prove to be the norm rather than an exception. For investors expecting that the Republican-controlled Congress would be able to push through a sweeping agenda including tax reform and fiscal stimulus, this may prove disappointing.

„The recent difficulty congressional Republicans have had in moving forward on Obamacare repeal does not bode well for reaching a quick agreement on tax reform or infrastructure funding, and reinforces our view that a fiscal boost, if it happens, is mostly a 2018 story,“ said Phillips.

 

  1. Polarization of political parties is getting worse

Trump’s executive order barring nationals from seven predominately Muslim countries sparked a backlash in Washington and has done little to heal the rift between Republicans and Democrats, making the prospect of cross-party cooperation even more remote.

„While bipartisan cooperation looked possible on some issues following the election, the political environment appears to be as polarized as ever, suggesting that many issues that require bipartisan support are likely to face substantial obstacles,“ Phillips said. „While we have not expected a sweeping overhaul of regulation in any of these areas to become law, recent developments lower the probability somewhat that even incremental changes could pass in the Senate.“

 

  1. There’s a real possibility of market disruption

Trump’s focus on immigration and trade may prove more than disappointing for Wall Street and Corporate America; it could prove downright disruptive.

„Some of the recent administrative actions by the Trump Administration serve as a reminder that the president is likely to follow through on campaign promises on trade and immigration, some of which could be disruptive for financial markets and the real economy,“ Phillips concluded

https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-02-06/goldman-sachs-economists-are-starting-to-worry-about-president-trump

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s