Mit Dollar und Militär gegen den Rest der Welt

US-Handelskrieg

von Michael Bernegger

04.12.16

Donald Trump will keine multilateralen Handelsabkommen – sondern bilateral orientierten Protektionismus. Was für die USA aufgehen könnte, ist brandgefährlich für den Rest der Welt. Denn die USA können mit dem Dollar, ihrer militärischen Dominanz und ihrem politischen Einfluss in einem neuen Handels- und Währungskrieg enormen Druck auf einzelne Staaten und Unternehmen ausüben.

Die Kernpunkte des möglichen innenpolitischen Programms von Präsident Trump sind in einer Reihe von Artikeln ausgeführt worden – etwa hier, hier und hier. Wichtig ist, dass der Präsident ein primär binnenwirtschaftlich getriebenes Wachstumsmodell etablieren will.  Schon diesbezüglich sind die Vorstellungen jedoch sehr konfliktträchtig. In der Situation einer im internationalen wie intertemporalen Vergleich viel zu niedrigen Sparquote will Trump ein längst überfälliges Infrastruktur-Programm lancieren. Darüber hinaus will er die Verteidigungsausgaben erhöhen und die Einkommens- und Kapitalgewinn-Steuersätze für die höchsten Einkommen sowie die Steuersätze für Unternehmen drastisch kürzen. Würde all dies effektiv umgesetzt, könnten die Zinsen in den USA und der Dollar zu einem ungeahnten Höhenflug ansetzen. Das hätte wiederum vernichtende Rückwirkungen für die amerikanische Industrie, welche durch den Wechselkurs geschädigt würde. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt hat, dass er die Industrie in den USA wieder groß machen will. Eine der vielen Ungereimtheiten, aber eine politisch zentrale.

Wohl nicht zuletzt deshalb will Trump eine tiefgreifende Abkehr vom bisherigen Modell der Globalisierung, welches die amerikanische Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung der letzten beiden Jahrzehnte geprägt hat. Damit sollen die Nachteile für die amerikanische Industrie aufgehoben werden. Dies in einer Weise, welche eine Form von Importsubstitution darstellt: Produkte, welche bisher auch gerade von amerikanischen Unternehmen im Ausland (China, Mexiko) produziert und von dort nach den USA exportiert worden sind, sollen nun wieder vor Ort in den Vereinigten Staaten hergestellt werden. Das ist ein Modell, das in der Geschichte eher von Entwicklungs-Ökonomen anvisiert worden ist. Man könnte es als eine Form von nicht-akademischem Neo-Strukturalismus bezeichnen: Exportorientiertes Handelsmodell, fokussiert auf hohe Wertschöpfung, bei gleichzeitiger Import-Substitution, wo immer es geht. Raul Prebisch lässt grüßen, nachdem er während einiger Jahrzehnte gerade von amerikanischen Ökonomen belächelt und vergessen worden ist.

Dass der neue Präsident eine radikale Kehrtwende anvisiert, kann seiner Ankündigung entnommen werden, das während 10 Jahren bzw. von den USA seit 7 Jahren in komplexen multilateralen Verhandlungen ausgehandelte TPP-Abkommen an seinem ersten Arbeitstag zu streichen. Dieses Abkommen hätte einerseits alle erdenklichen Interessen der amerikanischen Großunternehmen oder Multinationalen zum Programm gemacht. Es wäre auch von den Republikanern im Kongress mitgetragen worden. Natürlich zum Preis von Investorenschutz und fragwürdigen Handelsgerichten. Andrerseits enthielt TPP effektiv Elemente, die gegenüber den bisherigen Handelsabkommen als Fortschritt anzuerkennen sind. So enthält TPP Arbeitsschutzbestimmungen, Recht auf gewerkschaftliche Organisierung der Arbeiter, und Umweltschutzvorschriften. Ob diese Punkte in der Praxis durchzusetzen wären, ist eine andere Frage. Das Abkommen in diesem Stadium zu verwerfen, ist ein Signal an die ganze Welt.

Was Trump explizit anstelle dessen anstrebt, ist ein System bilateraler Handelsbeziehungen, wobei in jedem Einzelfall die USA nicht benachteiligt sein dürfen. Genau dies hat diese Woche der neu ernannte Handelsminister Ross bei seiner ersten öffentlichen Wortmeldung hervorgehoben. In solchen bilateralen Verhandlungen werden die Vereinigten Staaten aufgrund ihrer Macht – Größe der Wirtschaft, Dollar, Militär, Politik – immer in einer starken, ja dominierenden Position sein.

Doch diese binnen- und außenwirtschaftliche Wende hat weitreichende Konsequenzen, die von den Autoren dieser Strategie nicht voll durchdacht sein dürften. Offenbar ist die Periode multilateraler Abkommen, die ein Kernelement der Globalisierung waren, zumindest für einige Jahre, möglicherweise auch für viel länger beendet. TPP und TTIP stellen zwei Abkommen dar, welche diese Richtung weiterentwickelt und dem amerikanisch beherrschten Multilateralismus neue Dynamik verschafft hätten. Für die vorhersehbare Zukunft scheinen wir einer Periode des Regionalismus und bilateraler oder selektiv multilateraler Abkommen zwischen Wirtschaftsregionen entgegen zu steuern – oder versteckten und offenen Handels- und Währungskriegen….

 

Trumps Haushaltsdefizite: Der Untergang des US-Dollars?

21.01.2017  |  Peter Schiff

Ich glaube, dass die nächste Rezession eher früher als später beginnen und zur enormen Erhöhung der Defizite führen wird. Die Geschichte ist in dieser Hinsicht sehr eindeutig: Die Große Rezession hat zur Verdreifachung des Defizits geführt und selbst die vergleichsweise harmlose Rezession von 2001 hat dafür gesorgt, dass aus einem Überschuss von 236 Milliarden Dollar innerhalb von zwei Jahren ein Fehlbetrag von 157 Milliarden Dollar geworden ist. Ich gehe davon aus, dass die nächste Konjunkturabschwächung eine ähnlich zauberhafte Wirkung entfaltet.

Das Congressional Budget Office ist allerdings nicht nur blind gegenüber Rezessionen – es ignoriert auch Donald Trump. Bei den Prognosen ist das CBO einfach davon ausgegangen, dass die aktuellen Steuer- und Ausgabengesetze unverändert bleiben. Steuersenkungen oder höhere Ausgaben wurden in keiner Weise mit einkalkuliert. Wie oben schon erwähnt, hat Trump aber praktisch versprochen, beides noch in seinem ersten Jahr als Präsident durchzusetzen. Wenn er damit Erfolg hat, werden die Defizite in Billionenhöhe womöglich schneller zurückkehren, als das CBO denkt. Kommt dann noch ein wirtschaftlicher Abschwung hinzu, werden die roten Zahlen wohl bald Rekordhöhen erreichen.

Die folgenden Charts zeigen die Entwicklung des Gold- und des Dollarkurses im Vergleich zum jährlichen Haushaltsdefizit der USA seit 1990. Die Daten machen deutlich, dass sich der Goldpreis mit ein paar Monaten Verzögerung parallel zu langfristigen Ausweitungen und Rückgängen des Defizits entwickelt, während der Dollarkurs entgegengesetzt verläuft.

Die Frage ist natürlich, wer sich dieser makroökonomischen Trends an der Wall Street überhaupt bewusst ist. Eines der wichtigsten Diskussionsthemen ist derzeit ja die Frage, wie die US-Wirtschaft mit einem immer stärker werdenden Dollar fertig werden kann. Die Analysten gehen davon aus, dass die Federal Reserve die Zinsen erhöht, und dass die Wirtschaft infolge von Trumps Politik wächst. Dies werde den Dollarkurs steigen lassen und ausländisches Kapital anziehen.

Diese Denkweise, die unterstellt, dass Bäume bis in den Himmel wachsen, ähnelt der unter Präsident Clinton vorherrschenden Annahme, dass die Staatsschulden durch permanente Überschüsse zurückgezahlt werden können, und dem zu Anfang des neuen Jahrtausends verbreiteten Gefühl, dass Immobilienpreise niemals sinken können.

Für diese Annahmen muss die Wall Street die offensichtlichen Auswirkungen der großen Defizite ignorieren, insbesondere die Notwendigkeit, dass die Federal Reserve einspringt und all die neuen Schuldpapiere aufkauft, die die Trump-Regierung gezwungenermaßen herausgeben wird. Als die Vereinigten Staaten das letzte Mal einen Abnehmer für Schulden in Höhe von mehr als 1 Billion Dollar im Jahr finden mussten, verließen sie sich auf die internationalen Zentralbanken.

Vor acht Jahren waren es noch China und Japan (und in geringerem Umfang auch Saudi-Arabien, Russland und andere Schwellenländer in Asien und Lateinamerika), die die Staatsanleihen aufkauften. Doch als die Schuldenflut kein Ende nahm, wurde die Federal Reserve mit ihren quantitativen Lockerungen (QE) selbst zum größten Käufer: Zwischen 2009 und 2014 kaufte sie US-Treasuries im Wert von mehr als einer halben Billion Dollar.

Man kann jedoch schwerlich erwarten, dass die ausländischen Käufer noch einmal zur Verfügung stehen werden. Im Moment sind sowohl Japan als auch China dabei, ihre Devisenreserven zu reduzieren und nutzen den Verkauf von US-Treasuries aktiv, um zu verhindern, dass ihre eigenen Währungen gegenüber dem Dollar an Wert verlieren. Dazu kommt noch, dass Donald Trump wahrscheinlich aggressive Handelskriege führen wird, die andere Zentralbanken mit Sicherheit davon abhalten könnten, die USA bei der Ausgabe von Schuldpapieren zu unterstützen.

Anleiheanalysten sind zudem überzeugt, dass der 35 Jahre währende Bullenmarkt, der im Jahr 1980 begann, seinen Höchststand im Juli 2016 überschritten hat, als die Rendite europäischer und japanischer Anleihen tief in den negativen Bereich gesunken sind und Rendite der 10-jährigen T-Bonds auf 1,36% fiel. Seitdem sind die Anleihekurse durch die Bank weg wieder gesunken. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, wird das private Anleger davon abhalten, in Staatsanleihen zu investieren. Anders gesagt wird die Fed vor dem Hintergrund einer Baisse an den Anleihemärkten womöglich die einzige Option zur Finanzierung künftiger Haushaltsdefizite sein.

Das würde bedeuten, das die QE-Programme, von denen viele dachten, dass sie der Vergangenheit angehören, im großen Stil wieder eingeführt und zu einem Markenzeichen der Ära Trump werden könnten. Wenn sich diese Erkenntnis nach und nach an den Märkten durchsetzt, müssen wir uns voraussichtlich vom hohen aktuellen Kursniveau des US-Dollars verabschieden und werden den Beginn eines langen, stetigen Abwärtstrends der amerikanischen Währung erleben. Gleichzeitig könnte das endlich die Trendwende für Gold, die Aktien der Goldunternehmen, die Rohstoffkurse und die ausländischen Aktienmärkte bedeuten.

Letzten Endes gehe ich davon aus, dass der Rückgang des Dollarkurses seinen krönenden Abschluss in einer Krise findet, in deren Verlauf der US-Dollar stark an Wert verliert und seine Rolle als weltweite Reservewährung verliert. Als der Dollar das letzte Mal kurz vor dem Kollaps stand, wurde er von der Finanzkrise 2008 gerettet. Beim nächsten Mal wird er nicht so viel Glück haben!

http://www.goldseiten.de/artikel/315962–Trumps-Haushaltsdefizite~-Der-Untergang-des-US-Dollars.html?seite=2

 

 

 

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